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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1894-01-01
Page
Seite 47 (sequence 2)
Language
German
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Besprechung. 47 ■Wenigsten gewachsen sind. Die vorliegende Puhlication G’s ist nicht geeignet, Licht in das Dunkel zu bringen, welches über dem Jezira-Buche lagert. In litt er ar-historischer Beziehung stellt der Editor Behauptungen auf, weiche mit längst bekannten Thatsachen in Widerspruch stehen; der ohne Methode zusammengestellte Text ist confus, und die Uebersetzung giebt an manchen Stellen nicht den richtigen Sinn des Textes wieder. Bezüglich der Entstehungszeit des Jezira-Buches variiren die Meinungen der Forscher zwischen dem ersten Jahrhundert vorchristlieber und dem achten Jahrhundert nachchristlicher Zeit. G. tritt mit einer neuen Hypothese auf, indem er das Buch in das zweite Jahrhundert vor Chr. verlegt. Wohl ist bei der erwähnten Meinungsverschiedenheit ein Jahrhundert mehr oder weniger nicht von Belang; aber die Gründe, welche G. für seine Hypothese anführt, müssen unbedingt als falsch zurückgewiesen werden. So schreibt G.: ״Der Verfasser des Buches Jesirah spricht hebräisch, und dies beweist, dass das Buch in einer Zeit geschrieben wurde, in welcher man hebräisch sprach . . .“ (S. 12.) Nach dieser Beweisführung müsste das Buch eigentlich in eine noch weit ältere Zeit verlegt werden. Aber bekanntlich bediente man sich der hebr. Sprache zu allen Zeiten selbst bei Abfassung von Werken, welche für das Volk und zum täglichen Gebrauche bestimmt waren, wie die Gebete, die Mischna und die Tossiphta beweisen. Was Wunder, wenn das nur für Gelehrte bestimmte Jezira-Buch in hebr. Sprache geschrieben wurde1). Peru er beruft sich G. (S. 5 u. 9) auf eine von Franck irithümlich citirte Stelle im Jeruschalmi Sanhedrin c. VII. Diese soll nach Franck (in der ersten Auflage seiner La Cabhaie) folgendermaassen lauten: אמר ♦ 4 .ר, יהושע בן חנניה יכיל אנא על ידי ספר יצירה נסע קתיין Aber es ist längst erkannt worden, dass die Worte על ידי ספר יצירה im Talmud nicht Vorkommen2); folglich beruht der Beweis von der Existenz des Jezira-Buches in der älteren tannaitischen Periode auf einem groben Irrthume. Im 2. Capitel der Einleitung beschäftigt sich G. mit Inhalt und System des Jezira-Buches. Wie wenig er in das Wesen dieses Systems eingedrungen ist, zeigen folgende Stellen. Er schreibt: ״Der Verfasser zählt zehn gränzenlose Principien, die er ספירות nennt, des Weltalls auf . . vier, durch welche das Weltall entstanden ist, und sechs, die das schon vorhandene Weltall formten . . . Diese zehn Principien, die durch Zusammensetzung der einzelnen Buchstaben zu Worten entstanden sind, entsprechen den zehn Grundzahlen“ (S. 20—21). Hier ist jeder Satz ein Irithum. Die ersten 4 Sephirot sind bekanntlich: der Geist Gottes, der Aether (רוח), das Wasser, das Feuer; das Weltall ist nicht durch sie, sondern aus ihnen entstanden. Die letzten 6 Sephirot sind die 6 Dirnensionen des Baumes (die 4 Weltgegenden, oben und unten); diese haben das schon vorhandene Weltall gewiss nicht geformt. Ein geradezu vexbluffender Unsinn ist die Behauptung, dass nach dem Jezira-Buche ״die zehn Principien durch Zusammensetzung der einzelnen Buchstaben zu Worten entstanden sind“. Aether, Wasser und Feuer sind durch Emanation (besser Wandlung), und nicht durch Zusammensetzung der einzelnen Buchstaben zu Worten entstanden. Auch der Baum entstand nicht durch eine solche Zusammensetzung; nur werden (in den uns vor- 1) Es lieisst die Sache auf den Kopf stellen, wenn G. behauptet, die Mischna sei nur für Sehiiftgelelirte, nicht für das Volk bestimmt, und dabei stillschweigend voraussetzt, das Jezira-Buch sei im Gegentheil für das Volk geschrieben. 2) S. Castelli, J1 commento p. 15. Franck selbst hat in der 2. Auflage seines Werkes den IiTthum eingesehen und die erwähnten "Worte fortgelassen.

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