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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 42

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 1
Article
Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
Date
1892-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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$2 Emancipations-Bestrebungen in Breslau• dernswerte geistige und moralische Kraft, von deren Unerschütterlichkeit tausende von Beispielen in ihren Blättern aufzufinden waren, jeden Zweifel nehmen und ihn mit Leichtigkeit vorausahnen lassen, was die Folgezeit glänzend bestätigte: dass, wenn erst einmal die Ursachen jenes jammervollen Kulturzustandes aufgehoben waren, dieser selbst bald gehoben und gebessert werden konnte. Das Judentum glich damals längst nicht mehr ״einem Baum gepflanzt an "Wasserbächen“, sondern einer verdorrenden Pflanze, die Luft und Licht, Sonne und Freiheit sehr notwendig brauchte. Aber statt diese Freiheit ihm zu geben, umzäunte und umschloss es Friedrich noch mehr. Die Juden waren einmal da; reformieren wollte er sie ,nicht, so blieb nur übrig, möglichst grossen Nutzen für das Staatswesen aus ihrem Yorhandensein zu ziehen. Daher kam es, dass der König in religiöser Hinsicht zwar seinen jüdischen Unterthanen keine Hindernisse in den Weg legte, wie er auch in die grosse Bewegung, die Mendelssohns Auftreten unter ihnen hervorrief, weder hindernd noch fördernd eingriff, zumal er wohl deren Tragweite gar nicht erkannte. Andererseits aber belastete er die Juden mit so drückenden und ungerechten Abgaben — man denke nur an die berüchtigte Porzellan- .Steuer! —, dass die rechtlose und verachtete Stellung, in der sie sich ohnehin befanden, nur noch unerträglicher und unhaltbarer wurde. Natürlich blieb auch der Leibzoll nebst allen anderen schmählichen Einrichtungen bestehen. Die bitterste Enttäuschung ihrer Hoffnungen auf den grossen König hatten die Breslauer Juden erfahren müssen.-1) Erwartungsvollste Freude hatte sie erfüllt, als in raschem Siegeslauf Schlesien nebst seiner Hauptstadt von ihm erobert, und ihr eigenes Schicksal nicht mehr in die Hand einer Frau gegeben war, die sich so wenig gemütvoll gezeigt hatte, gleich in den ersten Tagen ihres Regierungsantrittes ,den grössten ג) Näheres bei Braun: Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, Seite 242 f. Ygl. ferner Grünhagen, Schlesien unter Fr. d. Gr. I, 510 1, II, 408 f.

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