Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 3)
- Language
- German
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Recension, +5 auf in ihren Wohnhäusern, weilt an ihren Gräbern; mit scharfem Blicke erfaßt er die unbedeutendsten der Gebräuche, die unscheinbarsten im Winkel stehenden Geräthe, dem Auge des Kunstlers entgeht kein noch so unbedeutender Zug. Ter Riemen um die Linke des Beters ist ebenso in kunstgerechter Form verschlungen, wie der Feststrauß am Laubhüttenfest nach altherkömmlicher Weise gebunden, selbst die Citrone weist mit ihrem Stile stets nach oben. Ein seltenes Bestreben nach Naturwahrheit, genaue Kenntniß des Kostumes, des Ortes und der begleitenden Um. stände zeichnet diese Bilder aus. Auch zeigt sich darin eine Mannigfaltigkeit der Darstellung uns Behandlung, die um!0 überraschender ist, als Ort und Gewand fast stets die gleichen und. Eins solche Fülle oon Figuren in den oerschissrnarttgsten Altern, Geschlechtern und Stellungen bewegen sich auf diesen Bildern, daß es wahrlich nicht Wunder nimmt, wenn aus dis Ausführung der einzelnen Gestalten weniger Sorgfalt verwendet wurde. Die Gewänder sind oft recht steif uns der Gesichtsaus» druck mit wenigen Ausnahmen sehr weuig charakteristisch. Picart zeichnet meist bartlose Männer mit mächtigen Allongeperrücken und verschwommenen oft durch allzuvisls Punkts entstellten Gesichtern, deren semitischen Ursprung fast nur noch dis kühn geschweifte Adlernase verräth. Und Picart's Frauen erinnern in ihrer plumpen Gestalt und ihren groben Zügen eher an flämische Fischweiber, denn an die ob ihrer Schönheit hochbsrühmten Töchter Juda's. Doch vergeben wir dem Maler das crimen, unsere Amsterdamer Altvorderen in so schlechtes Licht gestellt zu haben und freuen uns an der Fülle des wirklich guten und werlhvollen, das in seinen Bildern zu Tage tritt. Vor unserm Auge erheben sich stolz die Amsterdamer Tempel mit ihren mächtigen Säulengängen und den vielen herrlich geformten Leuchtern und den andächtigen Betern, deren Mäntel weit größeren Luxus aufweisen als die unsrigen, wir. betreten mit dem Maler