Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg, insbesondere in der Stadt Stendal, um die Mitte des 15. Jahrhunderts
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 2)
- Language
- German
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insbesondere in Stendal, um die Mitte des 15. Jahrhunderts. 35 Dieses harte Schicksal traf denn auch die in der Stadt Stendal wohnende israelitische Bevölkerung *), bezüglich deren wir noch speciell hören, daß zu ihrer Entfernung der Kurfürst die Mitwirkung des Stendaler Raths unter Berufung auf ein Gebot des Papstes und des Kaisers, wonach sämmtliche Juden vertrieben werden sollten, in Anspruch nahm a). Welche Gründe zu einer so schonungslosen Behandlung der jüdischen Unterthauen geführt haben, wird nicht ausdrücklich berichtet; es gewinnt indes) den Anschein, als ob wir auch in dieser schnöden That einen Akt bodenloser Willkür zu beklagen hätten Auch christlicherseits blieb dieses Verfahren nicht ganz ti g lebenden Bischofs Bodeker v. Brandenburg 0422—•59) in seinem Commentarius ad Decalogum, Praeceptuna III, cap. III (bet Gercken, ׳ Stiftshistorie v. Brandend, p, 233), welche folgendermaßen lautet: ״a. 1146 Sabbatho IV temporum quo cantatur veni efc ostende, omnes Judae! in Marchia Brandenburg, capti sunt, omnibus bonis suis spoliati sunt et incarcerati." b) ein seitens des Kurfürsten an den Rath zu St. 1453 November 7. gerichtetes Schreiben, worin er s i ch s e l b st z u der G e w a l t t h a t m i t f o l g e n d e n W o r t e n bekennt: ״wie wol wir vor etlicher zyt die Joden In unsere landen fangen und wegk tryben ließen," (Riedel, Oodex diplomatieus Brandenburg I, 16 P. 247.) c) cf. Anmerkung 2. 1I cf. die vorhergehende Anmerk. 2 b). 2) Schreiben des St. Raths an den Kurfürsten, ohne Datum, wahrscheinlich aber Anfang 1454 verfaßt. (Ried. ib. p. 252—54). s) Man darf nämlich wohl mit Recht annehmen, daß der Bischof Stephan in seiner bereits angeführten Schrift cap. XXVI (bei Gerden 1. c.) auch im Hinblick auf das in Rede stehende, von ihm selbst gemeldete, Vorkommniß diejenigen Fürsten tadelt, welche, nur ihren Begierden folgend, ohne gerechte Ursache die Juden ihres Vermögens berauben, sie tödten oder einkerkern. »Male ergo faciunt principes, qui Judeos ex cupiditate — et sine iusta causa rebus suis Spoliant et Vrucidant seu ad carceres ponunt.« — Auch die in dem Schreiben des Kurfürsten an den Rath (1453 Nov. 7. Ried. 1. c. p. 297) vorkommende Stelle » . . . lierkomen ist, das sie (die Herrschaft uämlich) Joden eyn u. auss In Ihre lande u. Stete zyhen u. widder weg getriben bat lassen . . . « spricht wohl entschieden für unsere Auffassung. 3*