Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zum Ursprung der Sprache
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 1)
- Language
- German
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Notizen. 39 Notizen. Zum M'jpiung der Sprache. In seiner Abhandlung über den Ursprung der Sprache bemerkt Grimm (kleinere Schriften I, S. 275): ״Es mag auffal» len, daß weder das griechische noch indische Alterthum versucht haben, die Frage nach dem Ursprung und der Mannigfaltigkeit menschlicher Zungen zu stellen und darauf zu antworten. Die heilige Schrift strebte wenigstens das eine der beiden Näthsel, das der Mannigfaltigkeit durch den Thurm von Babel zu lösen. Ich kenne nur noch eine arme estheische Volkssage, welche dieser Lösung sich etwa an die Seite stellen ließe. Der alte Gott, als den Menschen ihr alter Wohnsitz zu eng geworden war, beschloß, sie über den ganzen Erdboden auszubreiten, jedem Volk auch eine besondere Sprache zu ertheilen. In dieser Ab» sicht. stellte er einen Kessel mit Wasser zum Feuer, ließ die einzelnen Stämme der Reihe nach heran treten und für sich die Töne entnehmen, welche das eingesperrte und gequälte Wasser singend hervorbrachte. Hier also wurde den Menschen wo nicht ihre erste, wenigstens eine neue Sprache durch die Naturlaute eines Elementes überwiesen." Dieselbe Anschauung, daß die heilige Schrift nur mit dem einen Problem, nämlich: warum statt einer Sprache mehrere bestehen sollten, sich befaßt, dagegen bett Ursprung der Sprache unerklärt gelassen habe, spricht Grimm in derselben Abhandlung S. 269 aus. Auch Max Müller scheint dies anzunehmen, da er im ersten Bande seiner Essays S. 293 ohne jede Bemerkung die Grimm'schen Worte anführt. Wenn nun wohl auch die Vermuthung gerecht.