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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 1
Article
Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung durch Rabbi Jechiel ben Joseph vor Ludwig dem Heiligen in Paris
Date
1874-01-01
Page
Seite 11 (sequence 2)
Language
German
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Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung durch 11 Wie einst Delilah vergeblich nach dem Mittel suchte, Simson zu schwächen und glaubte, ihn wie andere Starken der Erde mittels Fesseln und Banden seinen Feinden überliefern zu können, bis dieser ihr selbst das Geheimniß offenbarte, wo verborgen und für Andere unverständlich seine Stärke liege; so hatte die heilige Inquisition mit Feuer und Schwert, mit Schmerz und Qual die Ketzerei gar oft glücklich ausgerottet und an die -Stelle des frischen Lebensgetümmels die Ruhe des Kirchhofs gesetzt- Gegen die gefangene, geknechtete Tochter Juda's waren diese Mittel vergeblich. Da stand ein Jude, der erste Verräther dieser Art, ans und zeigte den Häschern die geheime Kraft des Talmuds, welch' zauberische Frische aus diesem Buche in alle Adern der Juden ströme, welch' ge- Heime Stärke, welch' unbegreiflicher Trotz die Juden gegen den christlichen Bekehrnngseifer schütze, so lange sie dies sonderbar universelle Buch zum Studium ihres Lebens, zum Orakel ihrer Weisheit machten. Aber das Auge, das den Schleier dieses Buches nicht gelüftet hat, der Geist, der sich mit ihm nicht eingehend und fast ausschließlich beschäftigt hat, findet den Zauber nicht, versteht den Geist nicht und sieht darin nur eine Anhäufung von sinnlosen Verordnungen, kindischen Erzählungen und wahnwitzigen Mährchen. So ging es auch der Inquisition, so ging es dem Papste selbst, als der jüdische Apostat Nicolaus Donin aus Rochelle ') mit dem größten Eifer die Gemeingefährlichkeit dieses Werkes darstellte und seine Verbrennung und Ausrottung begehrte. Sie verlangten zu sehen, wo der Talmud, oder da dieser nur die Ausführung der Mischna sei, wo diese gleich dem anderen Götzendienste auch den Dienst des Christenthums verdamme. Und keine einzige solche Mischna wußte man ') Siehe weiter unten.

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