Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Biographie Agrippa's II.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829404-2843848--13215-2843885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Biographie Agrippa's II. 27 Er wirft ihm unter anderem vor, daß er es nicht gewagt habe, sein Buch vor dem Tode Agrippa's heranszuaeben. Aus dem Ausdruck des Josephus daselbst ovx tyfos;!■lg iiimv geht hervor, daß ihm Josephus nur den Vorwurf der Feigheit machen will. Er habe es, will er sagen, nicht gewagt, als noch Augenzeugen vorhanden waren, seine lügnerischen Angaben, wie Josephus meint, aus Furcht überführt zu werden, vorzubringen. Offenbar hat Justus sein Werk längst fertig gehabt und nur bis zum Tode sämmtlicher beim Kriege Betheiligten, d. h. namentlich des Vespasian, Titus und Agrippa mit der Herausgabe desselben gewartet; denn wer durfte es wagen, den Cäsaren die Wahrheit offen ins Gesicht zu sagen? Nun geht aber aus der ganzen Haltung der vita hervor, daß Josephus in ihr nur eine Vertheidigung seines Verhaltens im Kriege geben wollte. Denn von den sechsundsiebenzig Capiteln des Buches sprechen nur die beiden ersten und das allerletzte über Josephus früheres und späteres Leben, und alle übrigen handeln über seine Thatigkeit im Kriege. Dieser Anhang zur Archäologie bildet sicherlich eine Streitschrift gegen Justus, und man sieht es der Vertheidigung an allen Seiten an, daß sie in der ersten leidenschaftlichen Erregung hingeworfen und zur sofortigen Abwehr auf der Stelle veröffentlicht wurde. Rechnen wir nun vom Jahre 94 einfach zurück, so ergiebt sich eines der ersten neunziger Jahre (91—93 n. Ehr.) als das Todesjahr Agrippa's. Daß sich Photius, dessen Gründlichkeit häufig Schiffbruch leidet *), geirrt hat, ist jedenfalls unwiderleglich, und es bleibt immerhin auffallend, daß Ewald a), trotzdem au dem Jahre 101, als dem Todesjahr fiir Agrippa, festhalten will. Ebensowenig genügend sind die Emendationen, die man bisher im Text des Photius vorgenommen hat. Die erste derselben ist die Haverkamp'sche, (Note zu vita Cap. 1), der auch Graetz *) gefolgt ist. Danach soll ') Wir hatten bereits Jahrg. 1870, S. 484, Gelegenheit, darauf hinzuweisen. ) Gesch. d. Volkes Israel Bd. VII. S. 95. Die Beweise, die er daselbst für seine Ansicht bringt, sind kraftlos und nur durch gezwungene Erklärungen der Qnellcnschriftsteller herausgebracht. Ihre ausführliche Widerlegung gehört nicht in diese Arbeit. 3) A. a. O. Bd. III. (2. Ausl.) S. 410. Anmcrk. 2.