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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 1
Article
Biographie Agrippa's II.
Date
1871-01-01
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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Biographie Agrippa's II. 23 mit dem Auftrags, kein Mittel zu scheuen, um zu dem gewünschten Ziele zu gelangen. Und in der That, Agrippa ließ nichts unversucht was ihn seinem Ziele einen Schritt näher bringen konnte. Josephus erzählt freilich hiervon nichts; denn nach ihm nahm Vespasian nur ungern und nach vielem Dränge!: seines Heeres die Krone an, aber Tacitus verrät!) uns das Geheimniß. Er sagt:H Aox per oeoultos suorum nuntios sxeitus ab urbe Agrippa ignaro adhuc Vitellio celeri navigatione properaverat. Als er durch seine Wühlereien genug vorgearbeitet zu haben glaubte und zur Ueberzeugung gekonnnen!var, daß Otho und Vitellins einander anfreiben würden, fuhr er eiligst nach Judäa zurück und half das Gaukelspiel, durch welches VeSpasian zur Annahme des Thrones gezwungen werden wollte, in Scene setzen. (1. Juli 69.) Vespasian mußte nuu nothwendigerweise den .Krieg andern Händen überlassen. Er setzte daher (70) seinen Sohn Titus zum Oberbefehlshaber ein. Zu diesem stand Agrippa in einem noch intimeren Verhältniß, als zu dessen Vater; denn Titus hatte sich in die noch immer schöne Berenice, die damals übrigens ungefähr vierzig Jahr alt war, verliebt. Natürlich waren dadurch Agrippa's Interessen nur noch mehr an die der Flavier ge- Kunden. Jerusalem mußte jetzt um jeden Preis erobert!verden; denn das war das sicherste Mittel, durch welches.sich das flavianische Haus den Thron befestigen und die Achtung der Unterthanen erwerben konnte. Es wäre der größte Schimpf gewesen, wenn das römische Riesenreich nicht im Stande wäre ein so winziges Völklein zu zermalmen. Titus schloß die Stadt mit seinem Heere von ungefähr achtzigtausend Mann enge ein und begann im Monat Nissan die Belagerung. Was folgte, ist bekannt. Die Jude!: kämpften todesmuthig um jeden Fußbreit Landes, aber alle Tapferkeit war vergebens; die Hungersnoth stieg von Tag zu Tag. Die Vertheidiger wurden immer entkräfteter, und dabei stürmten die Römer täglich von neuen:. Im Tanunus drangen sie in die Stadt ein, u!:d der zehnte Tag des Ab sah den Tempel, der fast sechshundert Jahre den Mittelpunkt der Nation gebildet hatte, in Rauch aufgehen. ') hist. II, 81.

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