Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 1 · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 1
Article
Die Einheit des Judenthums innerhalb der heutigen religiösen Anarchie
Date
1869-01-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829374-2829376-2843691--11774-2843751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

innerhalb der heutigen religiösen Anarchie. 37 stand religiöser Studien. Der theoretische Kern des Judenthums blieb so, gleich dem praktischen Cultus, nach wie vor keine bloße Glaubenslehre, sondern Gesetzeslehre. Seine ganze religiöse Andacht concentrirte sich auf das Gesetzesstudium. Der wesentlichste Theil der jüdischen Andacht bestand zu allen Zeiten in diesem Studium, so wie in der Lektüre nationaler Geschichten und Traditionen, welche in Bibel, Talmud und Midraschim aufbewahrt sind. Nur, wie gesagt, eine Sekte, die eben damit vom Judenthum abfiel, stellte den Glauben höher, als das Gesetz. Als sich diese neue Glaubenssekte bildete, hatte sie keineswegs ein vom jüdischen Glauben unterschiedenes Glaubensbekenntniß. Die charakteristische Differenz zwischen Judenthum und Christenthum ist auch bis heute uoch keine Glaubensdifferenz, sondern besteht darin, daß die Christen, (die Rechtgläubigen), die ja noch heute den ganzen Bibelglauben mit den Juden theilen, das jüdische Gesetz als etwas Unwesentliches verwerfen. Diese Verschiedenheit in der Auffassung des Gesetzes unterscheidet selbst da noch die beiden Religionen, wo auch jede Spur von reiner Glaubensdifferenz verschwunden ist. Man muß in der That von allem Faktischen und Historischen abstrahiren, jeden Sinn für das Reale und dessen Beobachtung verloren haben, um z. B. anzunehmen, daß ein rationalistischer Christ, ein reiner Christ, der aber das jüdische Gesetz verwirft, deßhalb aufhöre Christ zu sein und Jude werde, oder daß ein moderner Gesetzes-verachtender Jude, der mit jenem rationalistischeu Christen vollkonunen übereinstimmt, nichts desto weniger noch Jude sei, eine Illusion, die, wenn er sie sich selbst noch machen könnte, jedenfalls sehr bald bei seinen Nachkommen verschwinden würde, wie die Erfahrung bereits zur Genüge gezeigt hat. Heß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.