Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Einheit des Judenthums innerhalb der heutigen religiösen Anarchie
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Einheit des Judenthums innerhalb der heutigen religiösen Anarchie. 33 Die Linheit des Zudentkjums innerhalb der heutigen religiösen Anarchie. Erster Artikel. Unsere Zeit hat weder Neigung, noch Muße zu theologischen Controversen und metaphysischen Spekulationen. Im Schaffen einer neuen Weltordnnng begriffen, die sich auf der Grundlage positiver Wissenschaft und Arbeit anfbaut, überläßt sie die Befriedigung neuer religiöser oder idealer Bedürfnisse, die sich im Ganzen oder Großen noch nicht gebieterisch geltend machen, einer mehr oder weniger fernen Zukunft, die aus den neuen festgewordenen Zuständen auch ein neues gemeinschaftliches Lebensbewußtsein Hervorbringen muß. Bis dahin hat Jeder für seinen religiösen Hausbedarf selbst zu sorgen. Hat er das Bedürfniß eines gemeinsamen Cultus, einer religiösen Gemeinschaft, so muß er eben mit dem Ueberkommenen sürlieb nehmen. Wie er sich denselben bei der herrschenden Anarchie in dogmatischen Dingen praktisch zurecht legt, das ist wiederum seine individuelle Angelegenheit. Allgemeine Vorschriften lassen sich in dieser Beziehung nicht geben. Heute, wo die bereits erworbenen Resultate der Wissenschaft die alte Welt- und Lebensanschauung untergraben haben, während die neue erst im Werden begriffen ist, müssen religiöse Reformations - Bestrebungen nothwendig scheitern. Ein Luther wurde heute auch kein Gehör stnden. Was speciell das Judenthum betrifft, so reichen seine religiösen Traditionen hinauf bis zur Schöpfung. Darin unterscheidet essich übrigens nicht von denTraditionen der Arier. Wer die Schöpfung dieser letztern Völker war nur eine Naturschöpfung, und ihr Schöpfer blieb stets in der Natur versunken, während das schöpferische Wesen des Judenthums Natur und Menschheit umfaßt, in die human-sociale Sphäre eingreift. Erst das Judenthum hat auch der Geschichte der Menschheit das göttliche Einheitsbewußtsein als Basis gegeben und ihr prophetisch das Frankel, Monatsschrift. Vlll. 1. 3