Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 1
Article
Die Ebioniten des alten Testaments
Date
1869-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829374-2829376-2843688--11736-2843716
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 Die Moniten des alten Testaments. pheten Zephania geben in scharfen Umrissen ein trauriges Bild von der religiösen und socialen Verkehrtheit selbst unter Josijah. Wie muß es erst unter A ch a s und M a n a s s e, seinen Vorgängern, und Jojakim seinem Nachfolger ausgesehen haben, und gar erst im Reiche Israel, in der Hauptstadt Samaria unter den Usurpatoren, welche die Stufen des Thrones mit blutigem Schwerte erstiegen haben? Wenn man auch zugiebt, daß die Landbevölkerung nicht die raffinirte Lasterhaftigkeit der beiden Höfe, des Adels und der hauptstädtischen Bevölkerung getheilt hat, daß ihr götzendienerischer Cultus, ihre Baal- und Astarten-Religion nicht den orgiastischen Charakter hatte, so gewahrt man in dieser Volksklasse doch eben so wenig wie in der höhern Gesellschaftssphäre unter den Spitzen der beiden Länder irgend eine Spur von Cultur. Roheit scheint der Charakterzug der niedern und der höhern Volksklassen gewesen zu sein, hier die natürliche und dort die künstlich raffinirte Roheit. Die rednerischen Ergüsse der zeitgenössischen Propheten reflektiren allerdings diesen häßlichen Gesellschaftszustand in Juda und Israel nur noch in grellerem Lichte; aber die Propheten heben sich auf diesem dunkeln Grunde wie Lichtgestalten ab, unbesteckt von diesem sittlichen Schmutz, unberührt von diesem verpesteten Hauch. Gewiß, die Kluft zwischen dem moralischen Verderbniß des Volkes und der Höhe der Gesittung in den Reden der Propheten erscheint so tief und breit, daß man sich kaum eine Vorstellung machen kann, wie diese auch nur verstanden werden, ja, wie sie auch nur auf Verstandniß rechnen konnten! Hier der höchste Idealismus und dort der niedrigste, unflätigste Materialismus; hier die höchste Blüthe Gott - durchdrungener Humanität und dort die widrigste Brutalität. Hier ein wunderbarer Blick in die fernste Zukunft von dem ewigen Frieden unter den Menschen — dessen Erfüllung wir Kinder der Gegenwart kaum erhoffen — und dort ein niedriger, gemeiner, ans Thierische streifender Sinn. Allerdings sprachen die Propheten vor tauben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.