Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 17 (1868)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aphorismen
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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Aphorismen. ging er auch durch Wogen und Flammen, denn ihn heschirmte seine Lehre, für deren Wahrheit die Verfolgungen Zeugniss ablegen. Ein . die weitesten Kreise aufregender Vorgang des heendigten Jahres, der wie es scheint noch längere Zeit eine brennende Frage der Zeit bilden wird, fordert zu einem Einblick in die Weise der Vertretung des Judenthums auf und legt ebenfalls Zeugniss für dasselbe ab. Das Judenthum wurde seit undenklicher Zeit nicht durch Priester, sondern durch Lehrer vertreten, Wissen und untadelhafter Wandel gaben die Anwartschaft. Und worin bestand die Vertretung? Die Lehrer besassen nicht geistliehe Macht, solche wurde ihnen nicht eingeräumt, auch strebten sie nicht nach ihr; sie bildeten ferner nicht eine Hierarchie, einen gegliederten Stand, das Judenthum kennt nicht Würdenträger, nicht höhere und niedere religiöse Functionäre, jeder Lehrer war selbstständig und unabhängig; auch sassen sie nicht in Pfründen und reichem Einkommen, das Judenthum hat die Sorge für das leibliehe Gedeihen seiner Lehrer nicht übernommen. Liess doch der Begriff Lehrer, wie er im Judenthum als Vertreter des Glaubens aufgefasst wurde, den Gedanken an Würdenträger, geistliche Macht, Pfründen u. dergl. nicht aufkommen! Wer durch gründliches Studium der Lehre die Befähigung zur Belehrung erworben hatte, lehrte, gab Auskunft über an ihn gerichtete religiöse Fragen: der Lehrer war durch Wissen und durch Vertrauen der sich an ihn Wendenden getragen. Es gab also nicht Stand, auch der Privatmann, so sich diese zwei Bedingungen an ihm erfüllten, war Volkslehrer; in früherer Zeit begegnete man sogar Handwerkern als solchen, und selbst als vom 16. Jahrhunderte ab Gemeinderabbiner er׳ standen, gingen die Lehrer neben ihnen her, war dem Privatgelehrten nicht das Recht der Belehrung entzogen und das Volk wendete sich noch ferner häufig an ihn. Und diese Lehrer, denen weder Macht noch reiche Einktinfte winkten, die sogar nicht selten mit dem bittersten