Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 1
Article
Aphorismen
Date
1868-01-01
Page
Seite 6 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829360-2829362-2843615--11038-2843643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 Aphorismen. wusstsein, dass der Staat nur in der ohne jede ״Interpretation“ gehandhabten Ausführung seiner Grundgesetze seine eigentliche Basis habe, die Kunstdeutler zurück, die das Gedeihen der Freiheit verhindern wollten, und will das hohe Wächteramt über Gesetze und Recht nur Männern anvertraut wissen, die, von Recht und Wahrheit durchdrungen, Interpretation und Deuteleien mit tiefem Unwillen entgegentreten. Und hat das regenerirte Oesterreich den Aufschwung genommen, einen Juden in das zu bildende parlamentarische Ministerium berufen zu wollen — Winterstein, von dem als Minister des Handels vielfach die Rede war, ist jüdischer Confession — so wird doch wohl Preussen, das nun die Geschicke des gebildeten Deutschland leitet, nicht in solcher Ausschliessung fortfahren. Preussen, das Oesterreich nicht in Deutschland wegen des störenden Dualismus dulden wollte, kann es den Dualismus in seinem Innern zwischen den Rechten des Bürgers und Bürgers noch ferner pflegen? Den Juden, der durch Wogen und Flammen gegangen, verletzen derartige Beeinträchtigungen weniger als den Staat selbst und darum wird der Freiheitsdrang sie abstossen. Hat er doch so viele Auswüchse seit der kurzen Zeit jener Reiche erschlitternden Schlacht ausgerodet! Es ist die Grenzscheide zwischen Land und Land, Stadt und Stadt gefallen: der Norddeutsche hat im ganzen Gebiete des norddeutschen Bundes eine Heimath, eine Saat, die aus jenem, auch mit dem Blute jüdischer Kämpfer getränkten Boden aufging. Hatte doch selbst Sachsen, das lange mit einer Constitution Preussen vorausgeeilt war, es bis auf die neueste Zeit nicht über sich vermocht, dem nichtsächsischen Deutschen unbedingt eine heimathliehe Stätte zu öffnen; noch im Jahre 1803 wies der Stadtrath zu Bautzen das Gesuch eines preussischen Juden um Niederlassung zurück. Und Mecklenburg, das Treibhaus feudalistischen Uebermuthes und Willkür, welche Absonderung waltete daselbst zwischenRitter und Bauer, Bürger und Juden, mit welcher Sorgfalt wurden die alten Schranken aufrecht erhalten und Bauer und Jude mit übermüthigem Fasse getreten! Da fing nach alten verbrieften Urkunden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.