Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1867-01-01
Page
Seite 28 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829348-2843551--10357-2843595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 Kecensioneh und Anzeigen. hat. Die Leser werden aber diese Seite nebenher finden, denn das Buch ist nicht dazu angelegt, auf diesen Punkt aufmerksam zu machen, sondern hält sich objectiv historisch, um nach zuweisen, wie die Wandelung vor sich gegangen ist, welche die jüdischen cives Romani zu Parias gemacht hat. Nur im Vorworte hat Verfasser seinen Herzenswunsch durchschimmern lassen, dass die vollständige Gleichstellung der Juden endlich einmal von der Theorie in die Praxis übergehen möge. Um dem Gange des Buches besser folgen zu können, sei hier vorausgeschickt, dass man bisher über wichtige Punkte der Rechtsgeschichte der Juden im deutschen Mittelalter völlig im Dunkeln war. Man wusste im Allgemeinen, dass die Juden Kammerkuechte des Kaisers oder des heiligen deutsch-römischen Reiches waren, dass sie den güldnen Opferpfennig und den dritten Pfennig an die Kaiser leisten mussten. Wann diese Rechtsverhältnisse entstanden sind, und welche Anwendung davon gemacht wurde, und überhaupt zu welchen Oomplicationen sie geführt haben, das war bisher wenig bekannt, und der Verfasser entwickelt sie in eben so klarer, wie überzeugender Weise. Kurz geht er über die Verhältnisse der Juden im römischen und fränkischen Reiche hinweg — und berührt ihre gedrückte Stellung im byzantinischen Reiche gar nicht, weil der Einfluss desselben auf die germanische Rechtsentwickelung gering war. Im deutsch - fränkischen Reiche unter den Karolingern war die Stellung der Juden eine ziemlich paritätische. Karl der Grosse, der, wie alle universalgeschichtlichen Persönlichkeiten, welche den Fortschritt anbahnen, für reale Verhältnisse einen richtigen Blick hatte, erkannte auch den handelspolitischen Nutzen der Juden und gewährte ihnen volle Freiheit. Die Deutschen hatten damals noch wenig Sinn für diesen so wichtigen Zweig, sie waren entweder Ackerbauer oder Krieger. Handel im Grossen oder Kleinen galt als schändendes Gewerk; er fiel daher den Juden, den Nachfolgern der Phönicier und Griechen, zu. Unter Ludwig dem Frommen oder dem Deutschen standen sich die Juden noch besser. Dieses naive Verhältnis8 blieb bis zu den äusseren Kreuzzügen gegen die Moslemin und den innern gegen die Juden. Bekanntlich hat beim ersten Kreuzzuge nur das Gesindel Judenschlächtereieil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.