Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Bibelkritik in Frankreich
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 2)
- Language
- German
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Analekten. 33 förderten gesündere Studien des Hebräischen. Aus diesen Schulen gingen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zwei Männer hervor, denen die hebräische Philologie hohen Dank schuldet: Ludwig Capellus und Samuel Bochart. Capellus beschränkte sich auf die Fragen über die Buchstaben und das Alphabet, aber dieses waren Hauptfragen. Er war der erste der die punktirten Mitlaute (תנועות) auf ihren eigentlichen Gehalt zurückführte. Mit grossem Scharfsinn wurde ferner von ihm die Geschichte der Alphabete behandelt, in welchen die Bibel geschrieben wurde.1) Capellus wurde als Bösewicht verschrieen, ein theologischer Protestant nannte seine Critica sacra die Trompete des Atheismus. Doch er setzte hiervon unbeirrt seine trefflichen Untersuchungen fort und stellte fruchtbringende Grundsätze über die Vergleichung des hebräischen Textes, über die Zahl der Varianten und über den Werth der masoretischen Leseart auf. Capellus’ Werke bewegen sich um beschränkte Probleme und haben noch heute bedeutenden Werth; dieses lässt sich weniger sagen von den Schriften Bo chart’8. Die Fragen, mit denen er sich befasste, setzten allgemeine, damals noch nicht entdeckte kritische und philologische Principien voraus. Doch sollen einige schlechte Etymologien und naive Bemerkungen uns nicht vergessen lassen, dass Bo chart im Jahre 1650 die Grundlagen der vergleichenden Wissenschaft der semitischen Alterthümer legte. Wenn im allgemeinen Sinne die biblische Exegese in Frankreich das gemeinschaftliche Werk der Katholiken und Protestanten war, so ist nicht in Abrede zu stellen, dass der Mann, der dieser Wissenschaft Rahmen und bestimmte Gestalt gab, ein Katholik war: Richard Simon aus Dieppe, Priester des l) Wohl muss Capellus das Verdienst, die Bibelkritik angebahnt zu haben, zuerkannt werden, doch scheint die eigentliche gesunde Kritik ihm abgegangen zu sein. C. hascht nach Varianten, nach jeder scheinbaren Abweichung, um daraus weitgreifende Folgerungen zu ziehen5 bei näherer Betrachtung zeigen sich dies« arianten entweder unrichtig oder irrelevant. In Deutschland findet in neuerer Zeit die Critica sacra trotz der erweiterten Auflage von Vogel wenig Beaclitung. D. R. Frankel, Monatsschrift. XV. 1. 3