Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
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jDxc' religiöse)'Duidting, woitl der Zeit den Tribut; bei der rohen Unwissenheit n :1 den beschränkten Ansichten der Grossen und Kleinen, die das geistige Heil ausschliesslich in eine, den Fanafcismas anfachende und nährende Hand legte, konnte es an wilden Ausbrüchen nicht fehlen. Der bewegliche französische Geist loderte häufig auf, aber die Lohe war nicht nachhaltig; die Juden wurden häufig ausgetrieben und kehrten häufig wieder. In der Geschichte des Mittelalters mäss überhaupt dem auf einer sehr niedrigen Stufe sich beendenden Culfcurzustande Rechnung getragen und geschieden werden, ob in ihm oder in dem Charakter des Volkes der Fanatismus seine Nahrung gefunden. Blicken wir auf das Frankreich der Vergangenheit,, so gab sich dort zuerst in Europa — wir erinnern an die Albigenser — eine freiere Regung kund; und das Frankreich der Gegenwart, wie laut spricht es von religiöser Duldung! ihm muss die Geschichte das ehrende Zeugniss geben, dass es zuerst den grossen Gedanken erfasst und ausge- .führt, die alten hemmenden Fesseln der Unduldsamkeit ahzuwerfen; nur mühsam und in grossen Zeiträumen keuchten ihm die andern Staaten nach. Ist Fanatismus ein eigentlicher Charakterzug des Deutschen? Ein Volk, das solchen hohen Grad von Bildung in sich aufgenommen, das den verschiedenartigsteu Bestrebungen auf dem Gebiete des Wissens und Forschens bereitwillig entgegenkam, und sie mit tiefem. Ernst verarbeitete, hat hierin ein endgültiges Zeugniss abgelegt, dass es zum Fanatismus, dessen eigentliches Wesen Ab- Schliessung gegen jede bessere Erkenntniss ist, nicht neige. Und doch ist seihst bei manchem gebildeten Deutschen die: religiöse Duldung nach ihrem wahren Gehalt nicht zum Durchbruch gekommen. Die Vergangenheit wirft noch ihre Schatten in die Gegenwart hinein. Den Auf- 3chluss hierfür gibt ein den Deutschen bezeichnender rmd durch sein Staatenleben geförderter Charakterzug. Der Deutsche ist beharrlich, ausdauernd, es liegt in ihm eine an dem Erfassten festhaltende und es in allen seinen Oonsequenzen verfolgende Zähigkeit. Die politische U11aüadigkeit, in der er seit Jahrhunderten gehalten wurde,