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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 1
Article
Mose Almosnino
Date
1864-01-01
Page
Seite 35 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Mose Almosnino. 35 Gegengewicht zu halten, mussten die jüdischen Prediger die schädlichen Eindrücke in den Gemiithern zu verwischen .suchen. Sie mussten namentlich das jüdische Einheitsbekenntniss gegen die Argumente für die Trinität, die Verbindlichkeit der Thora gegen die Behauptung von deren Ersatz durch das neue Testament, kurz die Dogmatik des Judenthums gegen die des Christenthums scharf betonen und in Schutz nehmen. Dadurch hatten die Predigten einen philosophischen Charakter angenommen. Sie kamen trotz ihrer scholastischen Form dem Publikum keinesweges abstrakt und trocken vor, sondern waren gemeinverstündlich. Diese Vorgänge hatten die Form der jüd. Kanzelberedsamkeit fest normirt, das Genre war gegeben, die Prediger durften nicht davon abgehen. Mehr oder weniger hielt sich diese Manier unter den 8epbardischen Predigern eine sehr geraume Zeit, hindurch. Sie war Mode geworden. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn Almosnino’s Predigten für unseren Geschmack sich wie Deductionen philosophischer Gemeinplätze ausnehmen. Indessen wenn er auch zum Zwecke der Belegung Bibelversen und Agadasteilen Zwang angetlian und sie gedeutelt hat, so dürfen wir ihn nicht dafür verantwortlich machen. Er war im Glauben, dass Schrift und Agada in Wirklichkeit das lehrten, was er darin gelesen und daraus gedeutet hat. Er legte sie bona fide aus, und er war weit entfernt von der Sucht moderner Prediger, mit Bewusstsein und Absicht Verse und agadische Aussprüche zu foltern und zu zwängen, um witzige Pointen herauszudrechseln. Wann Almosnino sein Predigeramt angetreten hat, lässt sich nicht genau bestimmen. Nur so viel ist bekannt, dass er bereits Un Jahre 1552 einige Predigten gehalten hatte23), und zwar in der catalonischen Gemeinde. Ein Jahr darauf wurde er von einer ganzen Gemeinde, die sich Ne weh Sclialom nannte, wahrscheinlich einer catalonischen, berufen, ihr geistlicher Führer zu sein und einem Lehrhause vorzustehen23). Seine Antrittsrede ist sehr geschickt gehalten. Sie entwickelt an der Hand von Schriftversen und Agada'8 die nöthigen Eigenschaften eines würdigen Gemeindeführers und bemerkt dabei, dass diese ihm 22) Predigtsammlung Nr. 15, 17, ( 23) Daselbst Nr. 21.

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