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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 1 · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 1
Article
Alte und neue Zeit
Date
1864-01-01
Page
Seite 15 (sequence 13)
Language
German
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Alte und neue Zeit. 15 der Schweiz zurückwiesen, weil die diesseitigen jüdischen Staatsbewohner in der Schweiz nicht als gleichberechtigt anerkannt wurden. In den Niederlanden lebt trotz der monarchischen Verfassung der alte republikanische Geist, in der Schweiz ist trotz des republikanischen Anstriches die Freiheit verkümmert! Doch mag noch angeführt werden, dass in Genf die Juden völlig emancipirt, in Zürich dieses Jahr ein Jude zum Rector der Universität ernannt wurde. Dass im Königreiche Italien den Juden die Tage besser geworden, erzählt jeder von daher kommende Berieht. Eine traurige Ausnahme macht Rom. Der religiösen Controverse fern, muss dieses constatirt werden; an dem Mittelpunkt der Vertretung des christlichen Glaubens herrscht ein der von ihm verkündeten Liebe diametral entgegengesetzter Geist. Auch das vergangene Jahr hat eine Mortarageschichte gebracht; und gehet die Menschheit zu Gericht mit dem an den zu Rom ansässigen Juden geübten System der Verhöhnung und der schmählichsten Unterdrückung, weiches Urtheil fällt sie über diese Vertretung und Ausübung der Liebe! Der Bericht über Russland kann bei dem zerrütte* ten Zustande, in welchem sich die am meisten von Juden bevölkerte Provinz befindet, nur düster lauten. Es kann gegenwärtig nicht nach einem gesetzlichen Zustande der Juden Polens gefragt werden: das Land ist ausser Gesetz erklärt. Die russische Regierung beansprucht die Anhanglichkeifc der jüdischen Bewohner, sie hat in den letzten Jahren ihre Lage verbessert; die Polen rufen sie als Nationale zu den Fahnen und sind voll der glänzendsten Verheissungen für die Zukunft. Aber die wohlwollende Gesinnung der Regierung hatte, sich bisher mehr auf der Oberfläche gehalten, auch datirte sie von einer zu neuen Aera, als dass die von dem Kaiser Nikolaus geschlagenen langjährigen Wunden schon vernarbt wären und ein vollständiges Vertrauen zu ihr gefasst werden konnte. Haben doch die letzten Vorgänge zu Riga, die auf Befehl des Polizeimeisters erfolgte Ausweisung der Juden aus den Kaffeehäusern, gelehrt, dass die Beamtenwillkürherrschalt noch nicht zu .Ende sei und selbst der Wille des edlen

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