Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlaglichter
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829278-2843208--06461-2843236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Lewi ben Gerson (Gersonides) schütterndes Wagniss: so möge denn sein Ruf, den Mensehen im Menschen zu achten, nach seinem ganzen Umfange von Fürsten und Völkern vernommen und beherzigt werden. Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. *) Von Dr. M. Joel. e) Abhandlung über die Weltschöpfang. Dass die Abhandlung, der wir uns jetzt zuwenden, obwohl die letzte des Milcliamot, dennoch ihrem Entwürfe nach die früheste und von ihrem Verfasser zur besonderen Herausgabe bestimmt gewesen, ist von uns schon anderwärts hervorgehoben worden. Sie ist daher auch mit minutiösester Sorgfalt und fast ermüdender Ausführlichkeit geschrieben. Im Uebrigen ist es unschwer einzusehen, warum Gersonides gerade dieses Thema so früh in Angriff genommen. Bei seinem gleichfalls von uns schon hervorgehobenen Verhältnisse zu Maimoni musste eine Frage, von der letzterer behauptet hatte, dass sie streng philosophisch sich überhaupt nicht lösen lasse, zunächst seinen Forschertrieb anregen. Zugleich hatte Maimoni durch die Fridarung, mit der er die Untersuchung über die Weltschöpfung abschliesst1), demjenigen, welcher wie Gersonides, auch der religiösen Seite der Frage Rechnung trägt, eine gewisse Breite der Bewegung verstattet. Maimoni hatte nämlich gesagt, dass nicht die kosmogonische Darstellung der heiligen Schrift es sei, welche ihn bestimme, von Aristoteles abzugehen, da diese Darstellung allenfalls auch eine Auslegung zulasse, die mit der aristotelisehen Ansicht sich vertrage. Dennoch aber sei es ein religio- 8 es Bedenken gewesen, das ihn vor Allem geleitet habe. Dieses Bedenken treffe die Consequenzen der aristotelischen Ansicht. Wer nämlich, wie Aristoteles, im Naturgesetze das Letzte und Unabänderliche sehe — und das sei die unabweisliche Consequenz seiner Annahme einer Weltewigkeit — der kenne kein freies Verhältniss Gottes zur Welt, der kenne also auch keine *) Vgl. vor. Jahrgang. L) Siehe More II, 25. Vergl. dagegen seine Aeusserung im Jad (H. Teschuba cap. 3, § 7.)