Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlaglichter
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 15)
- Language
- German
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Schlaglichter. 19 zuführen, nicht selten zu vor dem Himmel verwerflichen Mitteln greifen. Doch genug auf diesem Gebiete verweilt, eine interessaniere Erscheinung ziehet unsere Aufmerksamkeit auf sich: es traten einige französische und schweizerische Geistliche mit dem gutgemeinten Vorschläge hervor, eine Einigung zwischen Judenthum und Christenthum zu Stande zu bringen. Mögen sie das Wort Frieden an die Stelle der Einigung setzen, und jeder Vernünftige wird ihnen und ihren Bestrebungen zujauchzen. Friedliches Nebeneinandergehen, jedes gestatte dem anderen seinen Weg ruhig zu verfolgen; vermeint sich das Christenthum im Besitze der Wahrheit, so wolle es sie nicht zu ihm sich nicht Bekennenden aüfdrängen, erblicke nicht in ihnen Feinde, weil sie nicht hierin Wahrheit zu finden vermögen. Hingegen׳ ist Einigung zwischen zwei entgegengesetzten Prineipien ein Unding, da sie nie in einem Punkte auslaufen, nie Eines werden können; Einigung zwischen zwei principiell sich gegenüberstehenden Confessionen, deren eine die Grundlage der andern nicht anerkennen kann, ist eine' indirecte Aufforderung zum Abfall und heschwört neuen religiösen Unfrieden herauf. Mögen sich diese Herren der vergeblichen Versuche Leibnitz־' erinnern, eine Einigung zwischen der katholischen und protestantisehen Kirche herzustelien; mögen sie sich zurückrufen, welchen Ausgang die jahrhundertlang• gemachten Versuche nahmen, die sich nahestehende griechische und katholische Kirche zu einigen. Dem religiösen Frieden sollen die Bestrebungen gelten: Duldung, friedliches Nebeneinandergehen sei die Losung. Die Religion wurde lange genug gemissbraucht, um Hass und Zwietracht zu säen, auf der Religion wurde das feudal-aiüstokratische Gebäude aufgeführt, dessen unterste Stufe dem Juden angewiesen wurde, und selbst von da wurde er, der Paria der Religion der Liebe, weggestossen. Die Zeit klärt sich, der Staat kommt zum Bewusstsein seiner Unabhängigkeit von der Kirche, das Rechtsbewusstsein kommt zum Durchbruch: es zurückzudrängen vermag mehr keine Macht, es aufhalten ist ein Staaten er-