Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlaglichter
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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12 Schlaglichter. Gott helfe. §2. Die von den allgemeinen Vorschriften abweichenden älteren Gesetze, Verordnungen und Gerichtsgebräuche über das Verfahren bei der Vereidigung der Juden sind aufgehoben. § 3. Die Bestimmungen in pos. 6 des § 48 der Processordnung vom 23. April sind gleichfalls aufgehoben.“ Wenden wir uns zu den Verhältnissen der Juden in den anderen Staaten Europa’s, so fällt unser Blick zuerst auf Frankreich. Das Jahr hatte ihnen nichts zu bringen, da der Franzose schon seit einer langen Reihe von Jahren keinen Unterschied des Bürgers kennt. Dass es ein Jude (A.Fould) zum fast allmächtigen Minister brachte, ist ein Umstand, der mehr die Finanzlage Frankreichs als die Lage der Juden berührt. — Mehr ist hervorzuheben, dass der Staat dem proselytischen Unwesen der frommen Schwestern zu Douai entgegentrat und eine im Moniteur ergangene Rote ihnen die Coneession entzog. Aus den Riederlanden wird als Curiosum berichtet, ״der Justizminister Godefroi, ein Jude, vertheidigte in der Kammersitzung am 11. December das Bestehen der gesetzlichen Feier des Sonntags gegen zwei christliche Mitglieder der Kammer, die die Aufhebung des dahin zie• lenden Gesetzes verlangten.“ Vielleicht wird dieses zur Beruhigung ängstlicher Geinüther beitragen, die in der Beförderung der Juden zu Staatsämtern die höchste Gefahr für die Kirche erblicken. In Italien sind die Verhältnisse der Juden in den Provinzen, in denen die politischen Zustände geordnet sind, in ein der Reugestaltung entsprechendes Stadium getreten. Sehr frappant ist die vor einiger Zeit in öffentlichen Blättern gebrachte Rotiz, in Reapel wurde die scenische Darstellang des Raubes des Mortarakindes unter grossem Andränge des Volkes und tiefer Aufregung der Gemüther gegeben. Wie schnell folgte jenem Hohne der Menschheit und des Jahrhunderts die vergeltende Strafe, und wie viele Seelen gingen dem Papste für das eine ״Judenkind“ verloren! ־— Für die Anschauung der Italiäner spricht übrigens der Umstand, dass die bisherige Ausschliessung der Juden mehr in Regierungsmassregeln: als in der An-