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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1861-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1861)
Issue
Heft 1
Article
Zur hebräischen Sprachkunde und Bibelexegese
Date
1861-01-01
Page
Seite 20 (sequence 1)
Language
German
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20 Zur liebr. Sprachkunde und Bibelexegese. Zur hebräischen Sprachkunde und Bibelexegese. Von Br. II. Grätz. Wie in der Politik das Staatswohl durch Consequenzreiterei und durch Maasslosigkeit der Revolution oder des starren Conservativismus nicht selten zu Grunde gerichtet wird, so wird auch in der Wissenschaft die Wahrheit durch dieselben Extreme verkannt. In der Bibelexegese, d. h. zunächst der hebräischen Schriftauslegung, verfuhren bis zum Anfang des laufenden Jahrzehnds die christlichen Forscher, so weit sie tonangebend waren, revolutionär, d» 11. änderten, flickten und strichen nach Herzenslust, wenig bekümmert um Sprachgebrauch und Text- Zusammenhang, ja oft ohne Kenntniss der Sprach elemente. Die jüdischen Exegeten dagegen verhielten sich im Allgemeinen conservativ, d. h. folgten der hergebrachten Versauslegung. Seit einem Decennium scheinen die Rollen vertauscht zu sein. Die christlichen Bibelforscher kehren zur Besonnenheit zurück, die jüdischen dagegen fangen an, in'8 Maasslose zu emendiren. Wenn auch Leichtsinn, Nachahmungstrieb und Widerspruchslust offenbar ihren Antheil an dieser h)rperkriti sehen Richtung hat, so darf man doch nicht verkennen, dass ihr auch ein Bedürfniss zu Grunde‘liegt. In den dunklen Partieen der heiligen Schrift befriedigen die überkommenen Erklärungen kein es weges; sie erweisen sich nämlich als nur nothbehülfliche Annahmen, weil doch einmal!ein Sinn herausgebracht■ werden muss. Der historische Gesichtspunkt, welcher jetzt an die Interpretation mit Recht gelegt wird, beleuchtet noch mehr die Unangemessenheit der bisher üblichen Auffassungsweise. Die biblische Exegese befindet sich demnach in einer Uebergangsperiode; das Alte befriedigt nicht, und das Neue gewährt keine Gewissheit. Ohnehin ist das Lexicalische des hebräisch. Sprachschatzes noch lange nicht festgestellt. Gesenius' Thesaurus erkennen viele Hebraisten für veraltet und unbrauchbar an, ohne dass diese Erkermtniss zur Ausarbeitung eines bessern geführt hatte. Die hebräische Lexicographie ist auch von der Exegese abhängig und vermag darum keinen selbstständigen Fortschritt zu machen. Wenn aber diese zwei Seiten einer und derselben Disciplin je zu einem wissenschaftlichen Abschluss gelangen sollen, so

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