Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Rückblick
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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Der Rückblick. 17 seinem Bewusstsein gewurzelt, sein religiöses Bedürfniss zu lebhaft, als dass es auf die Dauer an Hohlheit sich befriedigen könnte: ״und wie die Eiche, fällt auch manches lose hängende Blatt ab, verbleibt der heilige Stamm.“ Auf dem Gebiete des Gemeindelebens zeigt sich allen!- halben eine erfreuliche Regsamkeit: es entstehen Gotteshäuser .und Jugendschulen., der religiöse Unterricht wird lebhaft gefördert. . Doch hat. eine grosse: Gemeinde einen unerfreulichen Vorgang aufzuweisen,• den wir, forderte nicht die Jahressehau den Bericht, gern mit Stillschweigen übergingen. Zii Berlin verstarb Dr. Holdheim, Rab hiner der Reformgemeinde, und der . Gerneihdevorständ Hess ihn in der auf dem jüdischen Gottesacker für Rabbiner bestimmten Reihe beerdigen. Der Missgriff war arg. Sehen wir ab von dem Charakter Holdheim's, wie. er sich im Leben zeigte, schweigen wir davon, dass er Juden und Judenthum denuneirte, öffentlich erklärte, der Jude dürfe nach talmudischer Lehre einen Meineid ablegen, der Jude dürfe nach talmudischer Lehre den Nichtjuden umbringen. Hierfür mögen die Worte angewendet werden: ״der Tod versöhnt.“ Aber versöhnt der Tod, so erhebt er nicht, wandelt nicht den Feind des positiven Judenthums in dessen Freund um, macht nicht Denjenigen, für den die Grundsäulen des Judenthums nichts Verbindliches hatten, zu deren Bekenner: ihn nun in der Reihe jener alten Lehrer begraben ist ein Hohn gegen die Verstorbenen, wie gegen den von ihnen bewahrten Glauben. Dass der altersschwache stellvertretende Oberrabbiner hierzu seine Einwilligung gab, verringert keineswegs den Missgriff: der Vorstand musste fühlen, dass die an ihn als erste Instanz gelangte Anfrage nicht zur Weiterbeförderung geeignet sei, die Würde der von ihm vertretenen Gemeinde eine abschlägige Antwort erheische. Der Rabbinats-Assessor Dr. Sachs war bei diesem Vorgänge .abwesend: bei seiner bald darauf erfolgten Rückkehr übergab er dem Gemeindevorstande seine Demission. Er hat unklug gehandelt, Hessen sich viele Stimmen vernehmen. Wer im tiefen Bewusstsein seiner Pflicht handelt, wo je für eine höhere Idee eingetreten wird, wer eine Ueberzeugung zu erfassen Frankel, Monatsschrift■. X. I. 2