Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Rückblick
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Der Rückblick. Eigenthum zu erwerben; und dass in Norwegen eine kleine jüdische Gemeinde bestehet, ist um so mehr hervorzuheben, als vor noch kaum zwei Decennien Juden, die an der norwegischen Küste Schiffbruch gelitten hatten, kaum Rettung an das Ufer gestattet wurde. Betrachten wir die Lage der Juden im osmanischen Reiche, so werden wir von selbst nach Asien geführt. Die Türkei befindet sich in einem Zustande der Schwäche, der die wohlmeinendsten Absichten nicht zur Ausführung kommen lässt. Der Hattischerif von Gulhani hatte den Juden die besten Aussichten eröffnet; ob er viel gegen die Willkür der höheren und niederen Beamten vermochte, ist nicht bekannt. Es genüge, dass keine Klagen über Erpressungen gehört werden. Auch wollen wir uns an der Nachricht erfreuen, dass zu Konstantinopel, Smyrna, Alexandrien u. 8. w. tüchtige, nach europäischen Vorbildem eingerichtete jüdische Schulen blühen. Doch an die Stelle fanatischen Türkenthums tritt nun fanatisches Christenthum. Die Juden Europa’s hatten bei den von den christlichen Bewohnern Syriens durch die Drusen erlittenen Unfällen die lebhafteste Theilnahme gezeigt, in Frankreich sogar den Reigen durch namhafte Geschenke eröffnet; zum Entgelt wurden gegen die Juden zu Damascus Anklagen geschmiedet, sie haben sich an den dortigen Metzeleien und Plünderungen betheiligt. Die Anklagen erwiesen sich als Geburten des Fanatismus. In der Lage der Juden in Persien spiegelt sich das Bild des despotischen Staates ab. Ueber die Juden in den Staaten Chiwa, Bokhara u. s. w. ist wenig zu berichten. Im Westen Afrika’s hat der Einfluss europäischer Staaten zur Verbesserung der Lage der Juden beigetragen. In Marocco, Tanger, Tetuan sind die Consuln Frankreichs, Englands, Spaniens für die bessere Stellung der Juden thätig.— Die Mehrheit der Juden Algeriens geniesst die Rechte französischer Bürger; auch erheben sich daselbst gute jüdische Schulen. — Aus Tunis u. 8. w. werden keine Klagen vernommen. In Kabylien leben einige nomadisirencle, auch Handwerke treibende Juden.