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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 1
Article
Licht und Schatten
Date
1858-01-01
Page
Seite 9 (sequence 7)
Language
German
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Licht und Schatten. 9 Reihe von Jahren auf die Geschickt der jüdischen Bewohner dieses großen Reiches gelagert; die Milde des Kaisers Aleranders II., die seit seinem Regierungsantritte knndgegel'cne humane Nusfassnng der Zustände und die allenthalben an den Tag tretende Tendenz, die russische Nation zu einem Kulturvolk zu erheben und sie dem Kreise europäischer Bildung und Gesittung cinzureihen, ermuthigt die Juden einen hoffenden Blick in eine nicht ferne Zukunft zu werfen, die an die Stelle der aus ihre Unterdrückung zielenden Verordnungen von Recht und Menschlichkeit dictirte Gesetze bringen werde. Alerander II. wendet auch den Inden ein huldvolles Auge zu: nickt mehr soll geizen die geheiligtesten Gefühle gcfrevelt, zarte Kinder aus den Armen ihrer mit ihrem Jammergeschrei die Luft erfüllenden Mütter gerissen und in ferne Gegenden, wo sie ihre Eltern nicht mehr wiedersehen, geschleppt und dort für den Militärdienst erzogen werden; nicht mehr soll.Willkür an die Stelle des Gesetzes treten und der Jude stets für sein Sein, für seine Sicherheit zittern müssen; nicht mehr soll — dock wozu der Leiden lange Reibe in Grinncrnng bringen? Es kann der Hoffnung Raum gegeben werden, und welcher Trost liegt schon hierin für die jahrelang hart Gedrückten! Die Handlungen des Kaisers berechtigen zu Hoffnungen, und die Inden laben sich an diesen! -HoffnungSstrahl. •— Aber auch dieser Trost wird ihnen missgönnt! Polen, das schon bei seinem Bestehe» lange in sich zerfallen und zerklüftet war, Polen, das durch innen! Zwiespalt, venoerslicken, den wahren Patriotismus erstickenden Egoismus, sckreckencrrcgendcn Verfall der Sittlichkeit lange vor seiner wirklichen Auflösung jede Lebensfähigkeit verloren hatte*), snckt eine künstliche Regeneration in einer romantisirendcn Ncligionspoesie, kokettirt mit dem Glauben und verineint in ihn! einen Anhalt für seine im (Glauben mit Nichten begründete Nationalität zu finden. Diese schwärmcrische Religionsroniantik fließt in ihren Vertretern Kraszewskp, Syrakomla n. A. in Ergüssen des Hasses gegen den Juden über, theils ans phantastisch manierirtcr Religionsschwärmerei, theils aus blindem Rachegefühl für den nach Ansicht vieler Polen von den Juden in dem Ansstande von 1830 begangenen Pcrrath. Daß die Polen durch eine Unzahl an den Juden begangener Grausamkeiten diese auf die andere Seite drängten, daß Polen *) Dgl. Sybel, Geschichte Polens.

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