Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Licht und Schatten
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
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Licht und Schatten.? Cassel hat alte Schatte» hcrausbeschworeu und die politische Wahlfähigkeit der Juden beschränkt, und die Stände Mecklenbnrgs haben einen genügenden Grund für die Petition der Juden um bürgerliche Gleichstellung, nicht aufzufinden vermocht. Wir wenden uns nun zum Weste» Europas. In Frankreich ist die allgemeine bürgerliche Freiheit mit den Prineipien deö Staates so innig verwachsen, daß ihre Antastung den Staat in seinen innersten Grundfesten erschüttern würde. Die individuelle Freiheit ist das Palladium des französischen Bürgers, er bat die politische Reife erlangt, über die Conscssion nicht den Menschen zu vergessen, aus der Eonfession nicht eine Rechtfertigung für Beeinträchtigung AnderSglanbendcr herzuleikc».— In En g land ist die Judcnfrage eine Parteifrage zwischen Whigs und Tories. Die Inden genießen in Großbritannien seit ihrer Wiederaufnahme durch Cromwcll die ausgedehnteste Freiheit, und eS war nie die Absicht der englischen Gesetzgebung, sic von irgend einem bürgerlichen oder politischen Rechte auözuschlicßen. Wie bekannt, hat jedoch der Gebrauch nicht das Gesetz . die Worte ״bei dem wahren Glauben eines Christen" in den von jedem Unterhaus- Mitglieds bei seinem Eintritte zu leistenden Eid eingeschoben, und eS sieht sich hierdurch der Jude verhindert, im Parlament zu sitzen. Sonderbar, wäre ein Jude pflichtvergessen genug, diese Worte auszusprechcn, so könnte er nach wie vor Jude blesben und an den Bcrathniigcn des Staates theilnehmcn! den Sitz behaupten, nachdem er sich mit dem tiefsten Meineid befleckt, der dem redlichen Manne verschlossen ist! Es haben sich daher auch die Bcsserdeukcnden schon seit Jahren geeint, dem Formelwesen ein Ende zu machen und jene verfänglichen Worte aus dem Eide zu entfernen. Das llnterhaus ging auch vielfach hierauf ei»; das Oberhaus, die torystischen Lords, nahmen jedoch Anstoß daran, den christlichen Charakter des Eides zu alteriren; hielten sie doch jahrelang mit starrer Beharrlichkeit. ein derartiges Bedenken gegen den Eintritt der Katholiken fest! Da aber jedes HauS selbstständig über sich verfügen kann, so wurde, als in der vorigen Session das Oberhaus abermals die in dem Hause der Gemeinen durchgegangene Judenemancipationsbill — eigentlich EideSbill — zurückwies, der Vorschlag gemacht, das Unterhaus wolle vom Oberhause absehend beschließen, die Eidesformel abzuändern, dem Inden, also den Eintritt in's Parlament gestatten. Der Premierminister Lord Palmerston rieth jedoch hiervon drin-