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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 1
Article
Geisteslese aus der Schrift Bet-Jehuda
Date
1856-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 Wissenschaftliche Aufsätze. selbe» eine Gedankenlese mit, die zur Eharakterisiruug dieses Gelehrten von Gewicht ist. In Bernchat 2!) wird eine kurze Gebetformcl für die Fälle aufgestellt, in denen eine längere Andacht unmöglich ist. Modena macl't hierzu die Bemerkung, daß dies iminer ans uns,;regen unsrer Leiden und Sorgen »nzuwenden sei; wir sollten daher immer nur ein kurzes Gebet verrichte», nämlich das von der Knesset Hagdola vorgeschriebene, und die Gebete nicht mit dem Wortschwall der Peijutim überladen. Zu den Erklärungen der Talmudisten über die Entstehung des Donners und anderer Naturerscheinungen (il>id. 59) sagt er, man sehe hieraus, daß die Talmudisten in der kenntniß der Naturwissenschaft andern Gelehrten ihrer Zeit nicht »achstandcn: dieselbe Bemerkung macht er zu Ioma 85. Die Mischna (Sabb. '.)) verbietet vor dem Mincha-Gebet irgend eine Arbeit oder Handlung vorzunehiuen, habe man aber einmal eine angefangen, so brauche man sie nicht zu unterbrechen. Als Beispiel wird nun angeführt das Baden, Essen, Häute gerben re., und die Geiuara bestimmt nun näher,;ras bei diesen verschiedenen Handlungen der Anfang heiße. M. bemerkt hierzu: ״Man kann aus dieser Stelle entnehmen, daß die Talmudisten in ihren Verordnungen stets auf die Sitten, Angewöhnungen und Gewerbe der Menschen und auf die Orts- Verhältnisse Rücksicht genommen haben, wovon wir noch an andern Stellen Beispiele finden. Diese Notiz ist nicht unwichtig: wenn nur die Gelehrten unsrer Zeit sie berücksichtigen möchten'" Das. S. 26 sagt R. Tarfon, man dürfe nur Baumöl zum Sab» batlicht nehme»/ Da erhob sich R. Iochanan bei! Nuri' und sagte: ״Was sollen die Babylonier machen, die nur Mohnöl, was die Medier, die nur Nußöl haben?" Hierauf M.: ״Dieser Grundsatz ist wohl zu beachten, daß, wenn man dem Gesetze nicht seinem ganzen Inhalt nachleben kann, cs besser sei, demselben so weit als möglich nachzukommen, als es ganz zu beseitigen; denn Gott sieht nur aus die Gesinnung. Es heißt darum hier ״da erhob sich R. Iochanan", um damit auszudrücken, daß er mit Eifer der Ansicht von N. Tarfon entgcgentrat, um diesen Grundsatz auszusprechen. Die Vorschrift, daß die Meßschnüre zu verschiedenen Objekte» auS verschiedenem Material verfertigt werden müssen (Erubin 58), wendet M. wie folgt an: ״So wie hier vorgeschriebe;; ist, daß man nicht alle Objekte mit einer Schnur mißt, so soll auch der Mensch sich und An» dere nicht mit einem Maßstabe messen und immer die Zeit und Umstände berücksichtigen. Die Eigenschaften — die guten wie die schlechten —

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