Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 1
Article
Dies- und jenseits des Meeres
Date
1856-01-01
Page
Seite 9 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829194-2842832--02660-2842851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dies» und ienscitS des Meeres. 9 kündeten Wahrheiten; und verlangt man einen unwiderlegbaren, durch prvteusartige Schlüsse und ״Erfahrungssätzc" nicht wegznleugucnden historischen Beweis, so liefert er ihn in seinem allen Stürmen trotzenden Bestehen. Darum halt auch der Jude nicht zu jener starren Bibelgläubigkcit, wird ihm nicht so leicht der Boden unter den Füßen weggezogen, kann er sogar in manchem Punkte auf der Seite des Ungläubigen — waö diesen nicht wenig srappircn wird — stehen, und wird gerade hierdurch seine Angriffe entkräften. Sei man aber nicht sogleich mit dem Bvrwnrfc der Nevlogie und des nach dem Flittergolds der modernen Aufklärung haschenden Inden znr Hand; alte, vor anderthalb Jahrtausenden lebende Rabbiner, die ein tiescS Bewußtsein in sich trugen und wahrlich nicht um Gunst und Anerkennung der Außenwelt buhlten, meinten, die noachilischc Sündflnt habe sich nicht über den ganzen Erdball ergossen svgl. Bcr. rab. c. 33). Wie grundlos ist also die ״unglänbige" Stabbrcchcrci über die Erzählung von Noa, ״weil, wie Jedermann weiß, die noachitische Flut nur ein partiellcö Ercigniß war", ilnd welches Bewandniß hat cS mit dem Beweise aus den in den belgischen Höhlen von Schmerling und Spring aufgcsnndencn Köpfen, die ans eine primitive, von der indo-europäische» verschiedenen Rasse Hinweisen? Der unsaubere Spott, ״daß nran sich Adam etwa unter dem Bilde eines Buschmanncö oder eines Wilden von Ncnholland, die Eva unter demjenigcn einer hotteutlotischcu Venus denken muß", mag völliges Eigcnthum des cvnischen Ungläubigen bleiben; aber die Angabe') berührt den Glauben ebensowenig wie die Lehre der Geologie, daß erst nach durch viele Millionen von Jahren ans einander folgenden Formationen die Erde ihre gegenwärtige Gestalt angenommen. Ein ebenfalls alter Rabbi sagt: Gott bauetc Welteit und zerstörte sic, bis er sagte, diese gefällt mir (Bcr. rab. c. 3). Was drückt diese» anders aus als jenes allmäligc Heransbüden, den Ucbergang der Formationen der primitiven Welten durch snceessiven Niederschlag zur heutigen festen Formirung und Gestaltung der Erde? Und von dieser in ihrer gegenwärtigen Gestalt uns anschaulichen Erde handelt die Schöpfungsgeschichte, erzählt von den auf ihr lebenden Geschöpfen mrd dem sie beherrschenden Menschen: primitive Welten wie primitive Menschen l) Die übrigens von A. Wagner, in seiner Widerlegung Bogt'S, als ungenau nachgewiescu wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.