Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 1
Article
Dies- und jenseits des Meeres
Date
1856-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829194-2842832--02657-2842848
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 Dies- und jenseits des Meeres. Blutlaus wird, welche Gestaltung die Ereignisse annehme», 1,ichl gehemmt. Zu de» Tagen des Mittelalters znrückkehren! 'Ader wer hat zu jener Zeit den Lorbeer errungen, der verfolgte Jude oder der ihn verfolgende Nichtjndc? Wird der Sieg zucrkannt jener rohe» barbarischen Gewalt, oder der in den Unterdrückten sich über sie erhebenden geistigen Kraft? Diesen verfolgten Juden, gegen die zu ihrer Zeit der ״christliche Staat" nach allen Momenten geltend gemacht wurde, wird von der Nachwelt Bewundernng gesollt, und daß ihre Schatten zu sühnen seien ist ein Geständnis?, das aufrichtig befragt kein Denkender znrückbaltcn kann. Wie man die Sühne abzutragcn vermeint, wird in betrübeuder Weise manifestirt; eine spätere Zeit wird über unsere Gegenwart ebenfalls ein solches Bckenntniß abznlegen haben. Wie viele Tausende werden in ihren innersten Interessen, in der Gutfaltung ihrer Geistcsgaben, in der freien Bewegung ihrer äugedornen Fähigkeiten und Anlagen, in der Ausübung der ihnen liebgcwordcnen Wissenschaft oder Kunst, in der dem vernünftigen Wesen znkommenden vernnnstgemäßen Wahl des Berufes gehemmt? Das Judcnthum hat noch seine Märtyrer, und die ihn? das Martyrerthum ausdringen, dürfen sich nicht sehr ihrer Thaten rühiucn. Aber cS ist Verfolgenden und Angreifenden unerreichbar: nicht weil eS nach Weise der alten Seylhen und ihrer Nachkommen seinen sichern Rückzug in unzugängliche Wüsten und Einöden hat; seinen Schutz und Zuflucht bildet vielmehr ein stets blühendes, von frischen Wässern unaufhörlich befruchtetes Gefilde, der von seinen Vätern ererbte lebendige Glaube. Im Glauben liegt unsere Stärke, unsere Macht, unser Widerstand, uujere Abwehr, an ihn? prallte die Gewalt der verschiedensten Jahrhunderte ab: wir fühlen nnsere Stärke, sind uns bewußt wer für uns, mit uns; darum fürchten wir nicht und blicken auch in unsere Tage mit Bernhignug hinein. (erwarten wir dciitnach getrost den Ausgang des Kampfes, so er ctiva wieder gegen uns aufgenommcn wird, so erregt ei» im eben beendigten Jahre ans dein Gebiete des Glaubens heiß gcführter Kampf nicht wenig unsere Heiterkeit. Die Naturwisscnschäften, sind bei Manchen in den Geruch des Atheisutus gekommen, und cs wird ihnen zuin Vorwurfe gemacht, daß sic die Bande der sittlichen Ordnung anfzulösen drohen. Für das in der Natur waltende höhere außerweltliche Princip sagt man vcrsucheü sie einen Materialismus zu substituiren, der in der! Erscheinungen selbst den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.