Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829180-2842766--02061-2842792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Jahressihaii. pivtc. Und so erlosch die Liebe zur eigentlichen Theologie, die umdestomehr vereinsamt stand, als sich keine eigentlichen Lehranstalten für sie befanden und sie nicht Mittel hatte, den Universitätsjünger über die in ihm sich erhebenden Zweifel aufzuklären. Das Seminar ist ins Leben getreten. So wie das Judenthum über die von Böswilligkeit und Unwissenheit gemachten Angriffe hochstehet und in seinem Bewußtsein die entschiedenste Gegenrede trägt, so muß jede Anstalt die zu Ehren des Judenthums errichtet ist, über derartige Angriffe wegsehen und mit dem Bewußtsein der reinen Absicht ihren Weg verfolgen. Das Institut ist zu jung als daß es weiter als auf der ersten Stufe der Entwickelung stehen könnte; hochtrabende Projecte und klangvollen Posaunenstoß in die Welt ergehen lassen ist ebenso wenig Sache des bescheidenen Handelns für Gott, als die Forderung einer verfrühten Angabe der inner» Einrichtung und des Lehrplans/Sache des Wissenden und mit den eigentlich theologischen Gegenständen, nur einigermaßen näher Bekannten. Der Plan konnte nur in seiner Totalität erfaßt werden und dem Geiste als Vorbild vorschweben: die specielle Ausführung soll an der Hand gemachter Erfahrungen reifen. Es hat sich nun seit der im August v. I. erfolgten Eröffnung manches Resultat ergeben, das der Mittheilung nicht unwerth sein dürfte; und räumen wir ihr in der Jahresschau eine kurze Stelle ein so hoffen wir dem Wunsche mancher Leser entgegenzukommen, da dieser im Interesse des Allgemeinen errichteten Anstalt wohl nicht nrindere Aufmerksamkeit zu schenken ist, als einer von der Regierung des Herzogthums Sachsen-Meiningen oder der freien (!) Stadt Bremen zurückgezogenen Emancipation. Zwei Punkte mußten zumeist zur Hebung des theologischen Studiums ins Auge gefaßt werden: daß dieses Studium nicht von den klassischen Studien verdrängt werde, was, wie an einem andern Orte erwähnt wurde, Lei dem Gymnasialbesuche fast unerreichbar ist, da das große Maß der Zeit-und die im Gymnasium zugebrachten eigentlichen Tagesstunden— wozu noch häusliche Arbeiten — nicht Muße für das theologische Studium übrig ließen; ferner daß die Lust am theologischen Studium lebendig erhalten werde und nicht durch die Begegnung mit den klassischen Studien in Unlust und Widerwillen