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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 1
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
Seite 23 (sequence 2)
Language
German
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Briefe aus Prag. 23 ist Leben und regt an, Las Stillschweigen ein dumpfes refignirendes Sichselbstaufgeben. Ich freue mich Ihnen voraus versichern zu können, daß mein Bericht Manches bringen wird, dessen sich „Brave freuen dürfen"; die folgenden Briefe werden Schatten-, aber auch Lichtseiten zeigen: ohne Liebe und ohne Haß, ohne Parteilichkeit und ohne Vorurteil, ganz wie es die Wirklichkeit ergibt. Vor Allem Etwas über unsere politische Lage. Die vormärzlichen Verhältnisse der Juden in Böhmen sind bekannt: Ausnahmsgesetze, Beschränkungen aller Art, von allen politischen Rechten ausgeschlossen und auch im Genüsse der bürgerlichen Rechte sehr gehemmt. Am fühlbarsten machte sich die Judensteuer und das Gesetz über Verheirathungen, das auf Kosten des Naturrechts die Vermehrung der Juden verhindern sollte. Die drückende Judensteuer nahm schon im I. 1846 einen mildern Charakter an. Es wurde den Juden bewilligt, eine Ablösungssumme für alle Zeiten zu geben, und sie verstanden sich mit großen Opfern hierzu, um des Schimpflichen und Demoralisirenden dieser Steuer entledigt zu werden. Einen völligen Umschwung brachten die Vorfälle der Jahre 1848 und 1849. Die provisorische Verfassung sprach für alle Staatsangehörigen Gleichstellung in politischer und in bürgerlicher Beziehung, ohne Rücksicht aus das Glaubensbekeuntniß aus. In der im Jahre 1851 erlassenen Verfassungsurkunde wird der Paragraph der provisorischen Verfassung über Unabhängigkeit des Genusses aller Rechte vom Glaubensbekenntnisse vermißt; doch blieben die Juden bisher unbeeinträchtigt in der ihnen zugestandenen Gleichstellung. In Galizien (Lemberg) bekleiden Juden Staatsgüter, und in unserer Hauptstadt ist ein Jude (Di-. W. Wessely) als Professor des Rechts an der Universität angestellt. Städtische Ehrenrechte genießen die Inden allenthalben. In Prag sind mehrere Juden Stadträthe; und es muß das in der Geschichte Böhmens bisher unerhörte Factum angeführt werden, daß der unlängst verstorbene jüdische Gemeindevorsteher M. I. Landau, als ältester SLadtrath die vacante Stelle des Bürgermeisters der Stadt Prag einnahm, und Prag also einen Judenvorsteher zum Bürgermeister hatte. — Auch Mähren hat jüdische Bürgermeister (Leipnick): die slawische Bevölkerung ist also nicht, wie von mancher Seite gern vorgespiegelt wird, der Emancipation der Juden abgeneigt. In Oesterreich lebt überhaupt im Allgemeinen ein tiefer Sinn des Gehorsams gegen die von oben herabkommenden Gesetze. Im Bauernstand wird dieser Gehorsam jetzt um so williger gezollt, als die Regierung so Vieles für ihn gethan, und er sich durch Aufhebung der Nobot und die zngestandme Ablösung in einem sehr befriedigenden Zustand befindet. Von Seiten des Ackerbau treibenden Theiles der Bevölkerung wird sich also kein

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