Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1851)
- Article
- Schutzschrift des Josephus Flavius gegen Apion
- Date
- 1851-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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7 Schntzschrift des Josephus Flavins gegen Apion. Erstes Buch. Vorbemerkung. Der Zustand der Juden nm die Zeit vor und nach Auflösung des jüdischen Staates war nicht nur durch die Bedrückungen der Römer höchst qualvoll, sondern es waren auch griechische Schriftsteller beflissen die Juden in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, und ein bitterer verletzender Spott machte den Inden das Peinliche ihrer Lage noch fühlbarer. Zweierlei wurde ihnen vorgeworfen: Sie haben keine Geschichte, und: sie haben keinen, oder, wie Andere wollten, sie haben einen widerfinnigen, mit den Religionen aller anderen Völker ganz in Widerspruch stehenden Glauben. Mit den Vorwürfen des Mangels an Geschichte stellten die Gegner die Behauptung aus, das jüdische Volk datire sein Bestehen erst sert kurzer Zeit, seit einigen Jahrhunderten. Wer mit den Schriften des Alterthums einigermaßen vertrant ist weiß, welch' ein fühlbarer Angriff in dieser Behauptung lag. Das hohe Alter eines Volkes und seine ursprüngliche Ansässigkeit in einem Lande — die Autochthonie — gaben ihm Werth; und nicht absichtlos verweilt scholl der erste auf uns gekommene griechische Geschichtschreiber, Herodot, bei dem Ursprünge und den zuerst eingenommenen Wohnsitzen der verschiedenen, vorzüglich griechischen Völker und Stämme. Hierin fand sich ein wichtiges Moment der Geschichte eines Volles. Aus diesem Gesichtspunkte hatte auch das homerische Epos, die Ilias, einen vorzüglichen Werth für die Griechen; in der im zweiten Gesänge aufgezählten Ordnung der mit Agamemnon gegen Troja Ziehenden Völker lag für deren Nachkommen gewissermaßen eine Genealogie, ein Zengniß ihres Alterthums. Mit der Weglengnung des Alterthums der Juden wurde aber auch angedeutet, daß das jüdische Volk eigentlich nur ein zusammengeraffter Haufe sei; dieses verstand man überhaupt damals unter einem „neuen Volke". Zwar war die Kunde, daß die Juden aus Egypten gezogen und sich in