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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. Seite 267

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
Date
1915-01-01
Page
Seite 267 (sequence 27)
Language
German
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Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. 267 Eimer sind erschaffen durch deine Kraft, und allein dann als letzter der große Fisch, den Gott gesandt.« Uns war es darum zu tun, die Strömungen zu zeigen, die auch das jüdische Denken und Dichten während vieler Jahrhunderte nach einer Richtung beherrschten, die im Grunde ihres Wesens unjüdisch, heidnisch aber menschlich gewesen ist. Die »Weisheit des Orientalen« waren eben die Astronomie und Astrologie xar’ IW/jp, wie es schon a £lie ältesten Exegeten und Interpreten der heiligen Schrift deuten; und auch die Weisheit Salomos wird als Sternkunde bezeichnet* selbst die dem Volke Israel zugesprochene »Einsicht und Weisheitc sind den alten Erklärern Kenntnisse auf astrologischem Gebiete. Da helfen weder Polemik noch Geringschätzung, die sich vielleicht auch in dem Satze zeigen: »Rabbi Eleasar ben Chisma sagt: Kirmin und Niddah (Vogelopfer und Niddaanfänge) sind die wesentlichsten Traditionen; Berechnungen der Sonnenwenden und Geometrie (תקופות וגמטריאות) sind nur die Peripherie der Weisheit (Aboth IH, 23). Zu sehr waren Verstand und Gefühl von der Astronomie gefangen genommen, als daß sie hätte unbeachtet bleiben können. Sie ist ein constitutiver Bestandteil, ein Stück Leben des antiken Orients, ohne welches man ihn weder denken noch verstehen könnte. Wenn nun in der Urgeschichte der Väter Abraham hinaustritt und den Sternenhimmel betrachtet, so tut er das, was zu seiner Zeit und viele Jahrhunderte nach ihm jeder Orientale mit tiefster Ehrfurcht und Andacht getan hat; und wenn, anschließend an diese Überlieferung, spätere Auslegung in dem Worte »Er ließ ihn hinaustreten« (Genes. 15,5) die Bedeutung erblickt: »Du sollst ein Prophet sein, aber kein Astrolog« (Genes, r. 44), dann liegt gerade darin ein klarer Beweis, welche Macht die Astrologie war (vgl. Bischoff a. a. O. S. 131, Baeck a. a. O.). Sie wurde eben nur theoretisch überwunden. Im Leben blieb sie bis in das siebzehnte nachchristliche Jahrhundert Herrscherin und ist es zum Teile noch heute.

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