Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
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Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. 259 Wirkung der Astrologie auch in strenggläubigsten Gelehrten- und Laienkreisen nicht auffallend. Die günstige Gelegenheit bot sich für Kalir im Ritus für das Peßach- und Suckothfest bei der Bitte um Tau und Regen1). Diese poetischen Keroba-Stücke haben allerdings vollständig nur im Rom.2) und Germ. Ritus Eingang gefunden, sind aber zu allgemeiner Berühmtheit gelangt (vgl. Elbogen a. a. O. S. 214 ff). Diese Tierkreisdichtung des Kalir ist offenbar ein echtes Kind der Zeit und Umgebung. Es war damals — ganz besonders auch im achten und neunten Jahrhundert im ganzen Orient — ein Bedürfnis, sich eingehend mit dem Tierkreis zu beschäftigen. Jeder Denkende und jede Denkergruppe tat es in verschiedener Weise; für die ganze damalige Welt war es eine ernste, wichtige Sache. Also fühlte auch Kalir, der universelle Dichter, den Drang, dieses sein Bedürfnis an geeigneter Stelle zu befriedigen. Und es konnte keine geeignetere sich darbieten als der Tau- und Regen-Ritus, der so sichtbare Verbindungen zwischen Irdischem und Himmlischem aufwies und auf so tiefe Triebe der Menschen und Völker zurückging. — Die Gebete um Tau und Regen lauten: Um Tau »Am ausgezeichneten Tage flehen die Mächtigen um Schutz an, mit belebendem Tau sie zu erfrischen, Tau zu verleihen im Nissan. Ich bitte für sie, die Wirkung des Taus zu spenden, der Vater verleihe den zur Labung verheißenen Tau zu versüßen das Bittere. 1J Die tiefere Begründung für die Verrichtung dieser Gebete im Ritus des Frühlings- und Herbstfestes s. Feuchtwang, »Wasseropfer« passim und MS. 1905,257 ff. Krauß Talm. Arch. II149 ff und Noten. Rhodokonakis »Omphalos und Eben Schethijja« in »Wörter und Sachen« Bd. V, Heft 2, 1913, S. 198 ff. 2) Das handschriftliche Machsor, Ritus Rom Cod 67 (LX) der Breslauer Sam. Bibi. fol. 297 a bietet nach (Rosin a. a. O.) ein Verzeichnis der Sternbilder, ihrer Verteilung auf die Morgen- und Abendanfange der Wochentage, ihrer Verteilung als Häuser an die Planeten usw. 17*