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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 5 · p. 241

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 5
Article
Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus
Date
1915-01-01
Page
241 (sequence 1)
Language
German
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Der Tierkreis in der Tradition und im Synagogenritus. von D. Feuchtwang. 1ז1<נ Israel hat kein Gestirn die Macht« (Sabb. 156a). In diesem lapidaren Worte erblickt L. Baeck in seiner Antrittsvorlesung: »Griechische und Jüdische Predigt« im Jahresbericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums 1914, S. 671) nicht mit Unrecht einen nach hartem Kampf gewonnenen Grundsatz; und »mit ihm ist die astrologische Schicksalslehre prinzipiell abgelehnt«. Aber nur prinzipiell; nur in der Theorie. Denn in der lebendigen Praxis blieben Astronomie und Astrologie mächtige Triebfedern, wie sie es seit grauester Vorzeit gewesen waren. Überblickt man die ganze agadistische Schöpfungsarbeit des jüdischen Ingeniums, wie sie sich in den Talmuden und Midraschen äußert und auslebt, so kann man ohne Übertreibung sagen, daß neben dem alles tragenden und treibenden Gedanken der Einzigkeit Gottes, wohl die astrologisch-astronomische Weltauffassung und -Erklärung des Kosmos zu den bedeutendsten, kräftigsten und langlebigsten Ideen gehört, die aus der heidnischen Antike in die monotheistische Zeit hinübergenommen wurden. Darüber *wird sich niemand wundern, der weiß, daß die astronomisch-astrologische Welt- Ordnung der ältesten Kulturvölker der Welt bis zur Stunde wirkt und unbewußt in Worten, Begriffen, Vorstellungen, Sitten und Gebräuchen selbst der neuesten Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Man braucht kein fanatischer Panbabylonier zu sein, um dies einzusehen. Tief in der Seele des Volkes wurzelten und wurzeln diese Dinge. Sie ließen sich auch aus dem so geläuterten ב) vgl. Feuchtwang Ms. 1905 S. 264ff. Monatsschrift, 59. Jahrgang 16

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