Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829866-2829871-2842344--41844-2842445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
232 Besprechungen und kurze Mitteilungen. wenn er gar Grundgesetze der Politik, des Völkerrechts, des Ideals des ewigen Friedens in sie hineinbezieht. Eine solche verschwommene Verallgemeinerung war von jeher die Gefahr unserer Apologetik, ihr ist Horowitz nicht entgangen. Wolff hält sich mehr innerhalb der Grenzen des Historikers, sein allgemeiner Teil ist bis auf jene Erhöhung des Toleranzbegriffs zu einem centralen Begriff der Weltanschauung vorsichtig ab wägend, aus dem besonderen Teil ist reiche Belehrung über die gesellschaftlichen Anschauungen des Zeitalters, besonders in Bezug auf die Juden zu schöpfen. Wenn auch die Dar- Stellung ein wenig in Einzelheiten zerflattert, wird der Historiker der Juden in Deutschland an ihr nicht voriibergehen dürfen. Crossen a. O. Moses Calvary. Wach stein, Bernhard Dr., Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. Im Aufträge der Historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien bearbeitet. Mit 202 Textabbildungen, 15 Tafeln und einem Friedhofsplane. I. Teil, 1540(?) bis 1670. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller 1912. [XIV + 592 S. +20 Bl. Anhang]. IV. Band der Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich. Alsbald nach Erscheinen des obigen Wachsteinschen großen Friedhofwerkes, 1912, schrieb ich für eine der hervorragendsten Wiener Tageszeitungen die nachstehenden Zeilen in der Hoffnung, bei der Zeitung selber wie bei ihrem zahlreichen Leserkreis auch einmal für ein bedeutsames Werk jüdischer Wissenschaft einiges Interesse erwecken zu können. Die Hoffnung war vergeblich; die Besprechung ist bis heute nicht erschienen. Ich setze sie also hierher und füge zum Schlüsse noch einige spezial wissenschaftliche Bemerkungen hinzu. *Die jüdische Wissenschaft blüht im Verborgenen. Nur zu Abwehr und Verteidigung wagt sie sich hie und da auf den Feldplan. So sehr sich ihr formaler Charakter durch die Übernahme der modernen Forschungsmethoden geändert hat, so ist sie sich doch darin treu geblieben, daß sie keinem anderen Herrn dienen will als sich selber. Die modernen jüdischen Gelehrten sind ebenso selbstlose Arbeiter geblieben, wie es die vom alten Schlage waren, die nur in ihrer Talmudklause lebten und webten. Selbst der Mangel an Anerkennung oder Förderung, auf den sie in ihrer eigenen Gemeinschaft nicht minder