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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. 227

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1915-01-01
Page
227 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen und kurze Mitteilungen. 1. Horowitz, Prof. Dr. J. Der Toleranzgedanke in der deutschen Literatur zur Zeit Moses Mendelssohns. Preisgekrönt von der Mendelsohn-Toleranzstiitung. Stuttgart. W. Spemann, 1914. 1,50 M. 2. Wolff, Dr. Alfred. Der Toleranzgedanke in der deutschen Literatur zur Zeit Moses Mendelssohns. (Gekrönt mit dem!. Preis der Mendelssohn-Toleranzstiftung). Berlin. Mayer u. Müller, 1915. 1 M. Die beiden Aufsätze ergänzen einander. Während Horo witz in dem Enthusiasmus, wie er dem nun Verewigten eigen war, in den allgemeinsten Zügen Lessings, Mendelsohns, Herders, Schillers, Goethes Auffassung beleuchtet, bietet Wolff wohl in bewußter Be- Schränkung emsig gesammelte, reichhaltige Materialien zu einem künftigen Buche. Die Fallstricke des Themas sind groß. Beide Autoren sind geradezu verliebt in das Wort »Toleranz« und erweitern den Begriff mehr als es das Wort gestattet. Wolff hat eine ganze Stufenreihe der Begriffe aufgestellt, die man mit dem Worte verbinden soll, von, gnädiger Duldung bis zu ehrfürchtiger Anerkennung, ja er begründet aus einer solchen Vertiefung des Wortes erst das Recht, sein Thema zu behandeln. Einer solchen Begründung bedarf es nicht, für den Historiker des 18. Jahrhunderts ist der Begriff der »Duldung« wichtig genug. Die Verallgemeinerung des Begriffs ist für die historische Auffassung durchaus irreführend. In einer Anmerkung freilich deutet auch Wolff darauf hin, daß Goethe unter Toleranz nur Duldung verstand, aber er hätte dafür noch andere Kronzeugen auftreiben können, von Kants »hochmütigem Namen der Toleranz« an, bis zu Hermann Cohens »Toleranz und dergleichen Schlafmittel«. Eine solche subjektive Dekretierung, was Toleranz bedeuten solle, ist von vornherein abzulehnen, und es hätte zunächst der philologischen Deutung bedurft, was eigentlieh das 18. Jahrhundert unter Toleranz verstand. Wichtig ist schon, daß der Ruf nach Toleranz ja nicht nur von den zu tolerierenden Minderheiten ausging — die natürlich geneigt sind, bis heute, den Geltungsbereich des Wortes zu erweitern — 15*

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