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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. Seite 195

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Kontinentalsperre und die deutschen Juden
Date
1915-01-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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Die Kontinentalsperre und die deutschen Juden. 195 Kaffee und Zucker, an deren täglichen Gebrauch sie gewöhnt waren, maßlos verteuert wurden1). Am schwersten empfanden die Philister jener Tage, die Männlein und Weiblein ohne Unter־ schied des Glaubens und der Abstammung, die Entbehrung des Schälchens Kaffee, an das sie, wie es ihnen vorkam, seit undenkliehen Zeiten * gewöhnt waren. Denn so unbeschränkt herrschte bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Freude am Genuß des anregenden Getränkes selbst in den entlegensten Winkeln des deutschen Vaterlandes, daß ein der heimatlichen Enge entronnener junger Mann, Salomon Henry [Bloch] aus dem Dörfchen Langendorf in Oberschlesien, der jenseits des Kanals zu Ansehen und Vermögen gekommen war, zu der den Eltern gewährten regelmäßigen Unter- Stützung stets eine außerordentliche Zugabe von 4 Pfund Sterling jährlich hinzufügte, um der geliebten Mutter das Vergnügen an Kaffee und Zucker auf Lebenszeit zu sichern2). Dabei war es in Wahrheit eine vergleichsweise junge Vergangenheit, seitdem der Kaffee seinen Siegeszug durch Europa angetreten hatte. Im nördlichen Deutschland war der große Kurfürst der erste, an dessen Hofe 1675 Kaffee getrunken wurde, und in Nürnberg und Regensburg wurden 1686, in Hamburg 1687, in Stuttgart 1712, in Berlin 1721 und in Paris 1725 die ersten Kaffeehäuser errichtet3). Für die Gelehrten freilich war die neue Kulturpflanze schon viel früher in mannichfacher Beziehung ein Gegenstand der Aufmerksamkeit. Der Kgl. Preußische Leibarzt Johann Jacob Mangel4) zählt im ersten Bande seiner Bibliotheca pharmaceutico-medica, der 1703 in Genf in Folio erschienen ist, bereits ein Dutzend x) Höniger, a. a. O. S. 19 ff. a) Vgl. den Brief, d. d. London, 28. Jan. 1763, in meiner Abhand־ lung über die schlesische Landgemeinde in der Festschrift zum 70. Geburtstage Jacob Guttmanns, S. 245 ff. 3) Wieler, Kaffee, Tee, Kakao und die übrigen narkotischen Aufgußgetränke (Leipzig, 1907) S. 8 f. 4) Geb. in Genf 19. Juni 1652. Er starb ebendaselbst 15. August 1742. IS*

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