Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 3)
- Language
- German
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182 Ein Judentag aus Süd- und Neuostpreußen. dieser Ziffer Zählungsergebnisse aus polnischer Zeit zu Grunde liegen, ist sie obendrein vermutlich zu niedrig bemessen, weil sie in Polen als Grundlage für die Kopfsteuer diente und jüdischerseits möglichst herabgedrückt wurde1). Bedeutende Handelsführt, Wuttke (Städtebuch des Landes Posen 2. Aufl., Leipzig 1877, s. v.) 1308 Juden, «das Jahr 1793», Posen 1895, S. 615: 270 Familien. Aus manchen Orten, in denen nach der Generaltabelle von 1800 (Zeitschr. d. hist. Ges. I 390) keine Juden wohnten, berichten zuverlässige Quellen von ihrer Anwesenheit, so für Bet sehe das dortige handschriftl. Seelengedächtnisbuch aus der zweiten Hälfte des 18ten Jahrh. (vgl. Heppner- Herzberg a. a. O. S. 301, Posener handschr. Qemeindebuch III 17b), Gostyn 1791 (Aus dem Posener Lande, Lissa 1g08, S. 135), Powidz 1776 (Kurniker Gemeindebuch, im Bes. des Herrn Dr. Heppner, Koschmin S. 118 a), Wilczyn 1773 (Aus dem Posener Lande, 1911, S. 30), Punitz 1739 vielleicht nur vorübergehend (אנשי קעבניר הדרים לע7/ע בעיר פוני ץ im Rawitscher Chebra-Kadischa-Buch S. 17 a) und für den Kreis Bomst (Sirisa, Beschreib, von Südpreußen und Neuostpr. L eipzig 1797, S. 431, Warschauer, die städt. Archive in der Pr. Posen Leipzig 1901,5. 19, Wiener,Bibliotheca Friedlandiana, Petersburg 1893ff., S.449). Nach Holsche II, 343f. wurden 1800 in Schildberg »keine Juden geduldet« aber 1797 lebte dort eine Schächterfamilie (meine H andschriftensammlung Nr. 75, S. 40), 1801 eine andere und 1804 eine dr itte (das. Nr. 45, S. 20, 25). Die erstgenannte läßt auf die Anwesenheit von noch mehr Juden schließen. 1808 wird eine vierte Familie namhaft gemacht (Jahrbuch der jüd.- lit. Gesellsch. X, Frankf. a. M. 1913, S. 367; polnisch Ostrzeszow). Nach einer Überlieferung wohnten sie im Stadtteile Borek (Mitteil. des H. Apothekers Sal in ge r ־Schildberg). י) Vgl. die im Londoner Jews College liegenden Memoiren des Beer Bolechow Bl. 76, die aus dem Jahre 1763 von einer solchen Herabdrückung der Seelenzahl von mehr als 1300 auf 883 für die jüd . Gemeinde Bolechow (in Galizien) behufs Steuerersparnis berichten. Zur Richtigkeit obiger Zahl vgl. MS. a. a. O. S. 581 Antn. 2 und Zeitschrift der hist. Ges. für die Provinz Posen I 156, wo die südpreußischen Juden — gewiß übertrieben — allein auf nahezu 150000 Seelen geschätzt werden. Bloch (das Jahr 1793, S. 592) hält die Ziffern Hol sch es vom Jahre 1800 für Ergebnisse »einer genauen Zähl ung«. Bereits die Zählung von 1565 wird von Sternberg, Gesch. de r Juden in Polen, Leipzig 1878, S. 144 als falsch nachgewiesen, ebenso die Posener Zählung von 1777 von Lukaszewicz, Hist.-statist. Bild der Stadt Posen, Posen 1878, I 51.