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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 4 · p. 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 4
Article
Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes
Date
1915-01-01
Page
145 (sequence 1)
Language
German
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Die Liebe, die Grundlage des hebräischen Gebetes. Von M. Güdemann. Das Massiv der hebräischen Gebete ist wie ein Gebirgsstock schichtenweise entstanden und gelagert. Die ursprünglichen, wie natürlich auf geringen Umfang sich beschränkenden Gebete, wurden nach und nach durch Anschwemmungen und Aufschüttungen, d. h. durch Herzensergießungen, die den Bedürfnissen, Wünschen und Hoffnungen verschiedener Zeiten entsprachen und deshalb allgemeine Aufnahme fanden, zu einem förmlichen Massiv erweitert und aufgeworfen. Der hebräische Gebetzyklus ist das Werk vulkanischer Vorgänge, mächtiger Gemütsausbrüche, die sich über Jahrtausende erstrecken und dem Zuge der jüdischen Geschichte folgen. Deshalb ist es schwer, zu der Wurzel oder zu dem Grundstock dieses Massivs vorzudringen und das Motiv zu erschließen, aus dem das Gebet innerhalb der jüdischen Religion ursprünglich entstanden ist. Die Tora, für diese Untersuchung die älteste Quelle, setzt das Gebet als natürliche religiöse Verrichtung des Menschen überhaupt voraus, sie unterläßt es deshalb, das Gebet in bestimmter Weise, wie sie das bei anderen Verrichtungen dieser Art tut, vorzuschreiben; denn daß unter dem »Gottesdienst des Herzens«, den die Tora fordert (VBM 11, 13), das Gebet zu verstehen sei, ist nur rabbinische, wenn auch durchaus sinngemäße Auslegung (Sifre z. St.). Dennoch hat die Tora in zwei Vorschriften den Grund für die Gebetformation gelegt und deren Ausbildung veranlaßt. Die eine ist der Priestersegen, die andre das Schma (קריאת שמע*) **). Diese beiden ursprünglichsten Gebete sind es nun, *) Die für die Darbringung der Erstlinge und des Zehnten vorgeschriebenen Gebete (VBM 26,1 ff.) galten mir für den Tempel in Jerusalem. Monatsschrift, 59. Jahrgang. 10

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