Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 14
- Article
- Zu den Gedichten R. Isak Bar Scheschet's und R. Simeon b. Zemach Duran's
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 661 (sequence 2)
- Language
- German
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Zu den Gedichten R. Tsak Bar Scheschet’s, 661 tend wirkenden reichen Geistor in ihrer neuen Hehnath verbreiteten. Wie ein sichtbares Zeichen für die Unzerstörbarkeit des Geistes, des einzig Ewigen in dieser Welt des Wandels und Vergehens, hat Isak Rar Scheuchet in demselben Jahre als Dichter seine Auferstehung gefeiert, da seine irdische Hülle nach fast 500jähriger Ruin‘ aus ihrem Grabe aufgestört wurde. Sonntag den 1. August 189() sab die Gemeinde Alger eine gar seltene Leiehenfeier. Die französische Regierung hatte den unwiderruflichen Refehl erlassen, die Gräber an der Stadtmauer, die fallen sollte, hinwegzuräumen. Alle Bemühungen, dem Grabe Rar Seheschets, das seit nahezu einem halben Jahrtausend mit seinem Kuppelbau einem Wallfahrtsort(‘ gleich hoch und heilig gehalten worden war, seine Unverletzlichkeit zu retten, waren vergeblich gewesen. So entschloss man sieh denn, das Stück Erde, das den Leichnam birgt, in seiner Gänze, auszuheben. Die Stelle war gesichert; ein Stein, der umgekehrt■ an der rechten Grabeswand befestigt war, enthüllt,(‘ sieh bei. der Untersuchung als der alte Grabstein Rar Scheschet’s,■ den man, um die Schriftseite zu schützen, umgewendet hatte 1 * 3). Ein Wagen , mit zwanzig Pferden bespannt, nahm di(', heilige Last auf, die nach St, Eugen() an ihren neuen Restiimnungsort überführt wurde-). In dieses Jahr der Zerstörung der Grabkapelle R. Isak’s fällt die Auffindung der Handschrift seiner Dichtungen, die nur durch einen Zufall der Reisetzung in der Genisa, d. 11. der Vernichtung, entging. Jakob GavisonM) hatte bereits den Zug im Rilde Rar Seheschets überliefert, dass seine Fertigkeit in der hebräischen Dichtkunst so vollendet gewesen sei, dass er zu einem Gedichte von gleichgcreimten 400 Strophen, in dem Simeon b. Zemach Duran alle Reimkraft der heiligen Sprache erschöpft zu haben glaubte, noch siebzehn andere als Nachlese hinzuzudichten im Stande war. Von den vier Klageliedern, die Zunz in seinem Namen anfiilirt4), lernen wir durch die Handschrift nur drei kennen Allein wichtiger, weil bezeichnender als diese religiösen Gedichte sind die zwei *) Eine Photographie dieses Epitaphs wäre dringend wünschenswert!!«. Statt des sinnlosen ותום צדק פעל hätte Morali die durch Sambari (ed. Neubau er) p. 130 überlieferte einzig richtige Leseart: והין צדק מעל in den Text aufnehmen sollen. Ros in (Monatsschrift 32, 191) las: והון צדק. *) Morali a. a O., 8—13. 3) In Abraham Gavison’s עומר השכחה f. 125 b. 4) Literaturgeschichte der synagogalen Poesie p. 513 f.