Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 13
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 623 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 623 mal den sonst milden und Puldsamkeit. predigenden Redner hoi zu ungestümer, liebloser Aullohnung gegen Bestehendes ertappt. •So z. B. in der Predigt ii 1)1* 1* Glück und Unglück — zu Psalm 14. 12— einer tiet angelegten Theo־ dieee, welche uns einen wohltliuenden Blick in das innig religiöse Genuithsleben des Redners gewählt, urteilt er mit zu harten Worten über Gebete in unserem Gebetbuch, in welchen von Leiden und Übeln auf vorhergegangeno Verschuldung geschlossen wird (הראיני i^nd ono such deduction is still j 1110 wo( 1 by tlie authorities to pul lute tho pages of our Prayet־ Book.1‘ Im Geiger-,Jocl’seiien Gebetbuch steht ומ^ני חטאינו oh״e Anstand! IndeHseii können wii־ immerhin solche Ausschreitungen des relormfreundliehen Redners uns gefallen lassen. Wenn 01* auch sich selbst zu den .,nonobsorvaut Juws“ zählt — zu deutsch etwa ״unorthodox“, obwohl die Begriffe sich nicht ganz decken —, so gesteht er doch, dass .,auch die Religion ihre Verköiporung braueht, und ich bin im Ernst geneigt zu glauben, «lass mehrere Generationen der Non-observance den Verfall innerer Roligiosität und die »Schwächung äusserer!Moralität, zur Folge haben würden.*• (The eonsciousness of Judaism über Gon. 12, Ö S. 2(>8). Wir unterschreiben gern die Worte: ,,Wenn die Juden iliren lebendigen Glauben an Gott verlieren sollton.so werden sie hoffentlich so schnell wie möglich mit den Nationen sich amalgamieron. Ein Judo, der nicht glaubt, dass Gott die Quelle und Bedingung der Sittlichkeit ist, ist meiner Meinung nach nicht nur eine conträdietio in adiect.0, sondern er ist eine־ Gefahr. Ich bin nur zu sehr damit einverstanden, dass er sich nicht länger Judo nenne und in der Majorität, verschwinde. Mit unserm eignen Idealismus mögen wir aueh andre Arten von Idealismus verschmelze!) und verbinden, aber wenn die Lohre von der Erblichkeit etwas gilt, so werden wir nicht leicht (‘inen Idealismus für den andern eintausehen. Und unser Idealismus ist nichts ais die Religion; er ist nicht die Kunst, nicht die Humanität, selbst nicht, die Wissenschaft, sondern Religion und immer wieder Religion. Vorlasse ihn auf deine eigene Gefahr.“ — Pas ist ein treftlmhos Memento für eine gewisse Klasse unserer einseitig nationalen Juden. Pen neun Predigten Mr. Montefiores gehen ebensoviele von Mr. Ahrahams voran, weniger hochfliegend in der Wahl der Themata, aber darum wohl aueh fasslicher für das grosse Publikum. In gefälliger Form, mit eindringlicher zu Herzen gehender Beredsamkeit — Rjuintilian würde ihr das Pracdicat ״laetoa ubeitas“ nicht versagen — spricht der Redner über die verschiedensten ethischen und religiösen Themata. »Seine Reden wenden sich mehr an das Gemüt, die Air. M's mehr an den IntoUect. Abr’.s Reden machen auch häufiger Gebrauch von sinnig(?!׳ Auslegung talmudiseher und midrasohischer Litteratur, während in donen seines Genossen mehr des Plato. Epietet, Marc Aurel, Bacon. Goethe, Darwin, Wordsworth, ja selbst St. (!) F ran ei scus v. Assisi u. a. als gerade der speei lisch jüdischen Litteratur Erwähnung geschieht, und da. wo die letztere angeführt wird — als Text für die Predigt —, geschieht dies zii unserm Befremden oft aus Prof. Chevrie’s (!) Übersetzung. Ich muss gestehen, das heisst die Unparteilichkeit etwas zu weit getrieben. Aueh Abrahams ist wie Air. Montuüore mehr der Reform zugeneigt. Aber wir können uns, selbst wo wir im einzelnen nicht mit ihnen einverstanden sein mögen, solche Reformer schon gefallen lassen. Es ist zumeist nicht Liebe zu Neuerungen, sondern Sorge um das Alte, was aus ihren AViinschen siel) kundgiebt. ,.Wir können mit unsrer Vergangenheit nicht brechen“ (S. 88). Die Vergangenheit luvt, einen unauslöschlichen Stempel auf unserem Charakter, ja selbst auf unserem Gesicht, in dom Ton unserer Stimme, in unseren Beschäftigungen und Neigungen zurückgelassen.