Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 14 (November 1852)
- Article
- Zur Textkritik des Talmuds
- Date
- 1852-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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553 Wissenschaftliche Aussätze. Wissenschaftliche Aufsätze. A n a l e e t e n. Zur Texteskritik des Talmuds. Daß die Talmudmauuscripte häufig in den Lesearten variirten und nicht selten auch unhaltbare Lesearten darboten, ist aus dem bei den früheren Commentatoren vorkomnienden .ה״ו bekannt. Die Freiheit der Textverbesserung nahm so überhand, daß N. Gerson, die Leuchte der Gola, sich obschon vergebens veranlaßt sah, dagegen in die Schranken zu treten. Nascht schlug viele EmenDationen vor, doch ließ er, wie R. Tam in der Vorrede zu seinem Sefer Hajaschar bezeugt, die alten Lesearten unangetastet; nur im Tractat Sebachtm substituirte er seine Leseart an die Stelle der alten. Dieser Tractat mochte nach sei-- ner außerhalb der Praxis liegenden Beziehung schon in früherer Zeit wenig wissenschaftliche Leser gefunden, und daher sich in ihm die offenbarsten Korruptionen gehäuft haben. Am kühnsten verfuhr dl. Samuel beu Mei'r (Naschbam) in seinem Kommentar zum Tractat Baba Batra, der sich jedoch auch zu wiederholtenmalen auf 9t. Chananel aus Nom beruft: N. Tam spricht a. a. O. sich sehr stark gegen ihn aus und will, von einem richtig kritischen Sinne geleitet, daß Niemand die alten Lesearten tilge, da bei tieferm Eingehen diese sich nicht selten als richtiger zeigen. Die heutigen Talmudausgaben enthalten größtentheits die von Nascht adoptirten oder vorgeschlagenen Lesearten: Raschi's Schüler hatten diese, wie der genannte Autor berichtet, in den Text gesetzt, und von da gingen sie in die anderen Handschriften über. Man muß dieses Verfahren um so mehr bedauern, als hierdurch Naschi'S Kommentar selbst zuweilen erschwert wird: Nascht polemisirt mitunter gegen manche Leseart, die er, weil sie allgemein Vorgelegen, nicht erst anführt, sondern nur mit לגירסת הספרים bezeichnet, und da wir diese nicht mehr besitzen, so ist an manchen Orten die eigentliche Polemik schwer zu enträthseln. Bemerkenswerth ist, daß der Tractat Sota nicht nach Raschi emendirt, sondern hier die alten, obschon mitunter offenbar unrichtigen Lesearten beibehalten wurden. Vgl. 4 b und Nascht ans. 15 יה"( כל a und Nascht auf. 5 16 .ה״ג ומ^םירו und Nascht ans. יה״ג מביא Daselbst Naschi aus. 29 ית״ל מים b Raschi ans. הצד השוה (und die alte Leseart mit Vielen Gründen verwerfend: der heute vorliegende Text hat die alte Leseart). Vielleicht trug die Späteren das Studium weniger zu diesem Tractat, und so blieb er ungeändert. — Noch eine Erscheinung dürfte hier hervorzuheben sein. Die meisten Textesemeudationen wurden nach Raschi, zu Baba Batra nach Naschbam,