Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 14 (November 1852)
- Article
- Galerie jüdischer Reisebeschreiber
- Date
- 1852-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Galerie jüdischer Rcisebcschreiber. Auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung bildet die Geographie nicht nur wie sonst ein Mittel zur Vcrständniß der Geschichte, sondern sie ist zum Theile selbst Geschichte. Welchen Gegenstand der Geist aus dem Kreise der Wissenschaften zum Objecte seines Forschens macht, er muß der Lichtseite zugcwendet sein: im Gebiete der Speculatlon reizt die Aussicht Lichtregioncn zu schaffen, auf dem Felde der Wirklichkeit muß Licht von außen hereinfaücn, der Weg den Durchgang durch Helle sonnenbeschienene Partien zeigen. Welchen Reiz konnte in vergangenen Zeiten jüdische Geschichtsschreibung für den Inden haben, was hatte er zu erzählen? Das Gefühl des Historikers erwärmt sich an der Darstellung großer Vorgange und Bewegungen, die Völker und Reiche, oft auch einzelne Männer, zum Mittelpunkte großer Weltbegebenheiten machen; und es schwingt sich der Geist selbst mit dem Aufschwünge der Erzählung auf, mit dem Fortschreiten des allmäligen WachSthnms von kleinem Anfang bis zu großem in de» Lauf der Staaten und Nationen eingreifenden Einfluß. Eine ununterbrochene Reihe von Leiden hingegen kann, so lange sie fortläuft, nicht Gegenstand der Geschichte sein: erst an ihrem Ende angelangt, bricht der elcctrische Funke hervor, der die ganze große Reihe beleuchtet und ihre Lichtseite zeigt; man erkennt, daß sie von einein lebendigen Geiste — und dieser ist doch das eigentliche Object der Geschichte —• getragen war, die in dieser Ausdauer und Beharrlichkeit liegende göttliche Manifestation kommt zum geschichtlichen Bewußtsein. Der Neuzeit ist es vorbe- Hallen, an eine Geschichte der Juden zn gehen. Erheischt nun aber diese Aufgabe eine tiefere der Begeisterung fähige Empfänglichkeit, und ist die sich ״kritisch" nennende nach außen kokettireude Kälte, die den in der Geschichte des Judenthums waltenden Geist in tau-> send Irrlichter und unscheinbare Funken zersplittert, bis er endlich ganz verlischt, nicht berufen diese Ausgabe zu lösen, so ist die Lösung auch von Seiten des Materiellen, des Unterbaues, der Bansteine der Geschichte — der Begebenheiten — sehr erschwert, da die Frankel. Monatsschrift. I. ■40