Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
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354 Besprechungen Indem nun aber in die Empfindungswelt der ersten christlichen Ge״ meinde nicht nur die Welt der jüdischen Tradition hineinragt, sondern zu״ gleich auch die griechisch-römische mit ihren Vorstellungen, und indem diese nun auch in der Form der jüdischen Tradition erfaßt und weitergestaltet wird, wird aus dem Inhalt der evangelischen Darstellung ein Kri״ terium der Frühe oder der Spate der einzelnen erzählten Begebenheiten und Aussprüche, so daß man schließlich aus der Tendenz die Zeit der Ent״ stehung ablesen bann. Es werden so nicht nur vom. Liter unkritischen her, sondern vom Innerlichen des Themas her die Schichten der Evangelien herausgearbeitet. Und ohne Zögern ist zu sagen, daß man Baecks Ge״ dankengängen restlos zustimmen muß, und es ist bezeichnend, wie stark man mitfühlt, daß nur aus der vorherigen Erkenntnis des jüdischen Midrasch und wie er Vorgänge späterer Zeit in das Bild der biblischen Helden einzeichnet, das langsame Werden der Evangelien zu! begreifen ist. Baeck wagt dann den Versuch, aus den Evangelien, wie sie schließ״ lieh kanonisch festgelegt wurden, das Ursprüngliche, Erste, sozusagen das Urevangelium zu rekonstruieren; er tut das an Hand der oben entwickelten Kriterien. In dieser Rekonstruktion führt er die Begebnisse, die Sprüche und Gleichnisse gesondert nacheinander auf, nicht in Beziehung aufeinander wie in den Evangelien, selbst; dies in der richtigen und׳ taktvollen Er״ kenntnis, daß es nicht jüdische Aufgabe ist, ein Evangelium in der Art einer christlichen Missionsschrift zu gestalten, sondern nur historisch das jüdische Erbgut herauszudestillieren. Aber es ist selbstredend, daß ein solcher Versuch, selbst wenn er im Grunde nur die Folgerung aus dem streng wissenschaftlich fundierten und belegten ersten Teil der Abhand״ lung darstellt, trotzdem ein Subjektives bleibt. Bei diesem Teil der Dar״ Stellung muß. man sich des Subjektiven bewußt bleiben, ohne das ein solcher Versuch nicht gemacht werden kann, um zu wissen, daß hier die Kraft der Einfühlung und Nachgestaltung so groß ist, daß das Subjektive an die Grenze des Objektiven heranreicht, und daß so das Jüdisch״Originale in bisher nicht versuchter Form herausgestellt erscheint. Dienemann. Manfred Reifer, Ausgewählte Historische Schriften. Dokumenten״ Sammlung. Societatea istorico״evreiascä, Cernäuti, 1938, 160 S. Das Buch zerfällt in 2 Teile: vier (z. T. schon an anderer Stefie erschienene) Abhand״ lungen (100 Jahre Kampf um die Emanzipation, Geschichte der Bukowinaer Juden seit der österreichischen Okkupation, Die ältesten Judensied״ lungen im Cämpulunger Bezirk und schließlich Einführung in die Quellen״ künde zur Geschichte der J. in der Bukowina) und eine Dokumentensamm״ lung. Über den Cämpulunger Bezirk bringt R. 2 Urkunden vollständig, die übrigen leider nur im Auszug. Zu unserer Überraschung lesen wir in einem Dokument, daß es Juden nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande schon um 1684 gegeben hat, die zu ihrem Wirtsvolke herzliche Beziehungen unterhielten. Der zweite Teil enthält 38 bzw. 62 Urkunden, die mit Ausnahme der letzten die Jahre 1751—1821 umfassen. Da die Bukowina längere Zeit hindurch administrativ von Lemberg abhing, so