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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 4 · p. Seite 285

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1938-01-01
Page
Seite 285 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen 285 standslos: wir haben uns die Autorisierung des Musterkodex oder der Musterkodizes nicht als einen einmaligen Akt vorzustellen, sondern als einen Vorgang von langer Dauer, der gewiß schon vor dem ersten nachchrist״ liehen Jahrhundert eingesetzt haben wird. Irgendwelche ausdrücklich überlieferten KQ״Divergenzen für ״unecht“ Zu erklären, wie es der Verf. S. 68 ff. tut, geht nicht an, mögen nun viele oder nur wenige Handschriften die Divergenzen bringen, mögen sie in zu״ sammenhängende KQ״Listen aufgenommen sein oder nicht. Die Masora darf nicht als eine starre Einheit begriffen werden; einen Kanon, der uns die Unterscheidung zwischen echtem und unechtem masoretischen Material ge״ stattete, gibt es nirgends. Wie die ״unechten“ KQ״Divergenzen, so bleiben auch die der von Kahle zugänglich gemachten, babylonischen Handschriften bei Gordis außer Betracht; er beschränkt sich vielmehr auch hier auf die offizielle Liste der Madinchae״Abweichungen. Einen noch fühlbareren Mangel bedeutet es in dem sonst schätzbaren Buch, daß der hebräische Pentateuch der Samaritaner nicht berücksichtigt wird. A* Spanier. Baron;, Salo W.: A Social and׳ Religious History of the Jews. Bd. 1,2,3. New York, Columbia University Preß, 1937. Dieses groß angelegte be״ deutsame Werk verdiente eine eingehende Auseinandersetzung und nicht nur die kurze Anzeige, zu welcher der Raummangel zwingt. Wie schon der Titel andeutet, ist es nicht die Absicht des Verfassers, geschichtliche Einzelheiten zu erzählen. Er setzt diese vielmehr voraus und versucht, sie unter dem Gesichtspunkt der sozialen und religiösen! Entwicklung des jüdischen Volkes zu deuten. Wir wissen aus Barons früheren Aufsätzen, daß er sich gern in die Philosophie der Geschichte vertieft, wir wissen auch, daß er sich mit statistischen Problemen als den Grundlagen der Erkenntnis der Volksentwicklüng viel befaßt hat, und finden nun hier in diesem zusammenfassenden Werke einen Niederschlag seiner vielseitigen und tiefgründigen Forschungen. Das Werk beginnt mit einem allgemeinen Kapitel über ״Jüdische Gesellschaft und Religion“ (Bd. 1 S. 3—31). In diesem wird der Grundcharakter der gesamten jüdischen Geschichte nach der Anschauung des Verfassers dargelegt. Für ihn ist jüdische Religion von Anfang an eine historische Religion, die ständig im! Gegensatz zu allen Auffassungen einer Naturreligion steht (S. 5). Die jüdische Religion ist ihm aber auch untrennbar mit der jüdischen Nationalität verbunden, die im ethnischen, nicht im politischen Sinne zu denken ist. Die Juden sind für ihn ein Volk ohne Staat und Land, ein Volk, in dem die Liebe zur Ge״ schichte, nicht die zum Boden das ausschlaggebende Moment ist. Das jüdische Volk schafft sein Sein aus dem stammesmäßigen und religiösen Erbe (S. 18). Der Kampf zwischen Geschichte und Natur ist bisher nicht entschieden und wird auch eine ewige Aufgabe bleiben bis zu den Tagen des Messias. Das jüdische Denken, das der Logik seiner außerordent« liehen Bestimmung folgt, erscheint der Welt als eine ununterbrochene Kette■ von Antinomien und Paradoxen. Eine außergewöhnliche Tragik brachte dem Juden der Austritt aus dem Ghetto und der Eintritt in die

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