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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 3 · p. Seite 202

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 3
Article
Die Funde von Lachisch [Rezension]
Date
1938-01-01
Page
Seite 202 (sequence 5)
Language
German
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202 Besprechungen lassen. Er meldet weiter, erfahren zu haben, daß der General Jichbarjahu nach Ägypten gezogen ist und vorher einige Militärs aus des Schreibers Standort entfernt habe. Er teilt endlich mit, daß er dem Adressaten einen von einem nahen Verwandten des Königs überbrachten Warnungsbrief mitgeteilt habe. Torczyner faßt diesen Brief als Einheit auf und findet darin vom Anfang bis zum Ende eine zusammenhängende Handlung. Der פקח am Anfang ist mit dem נבא am Ende identisch, auch mit demjenigen, um dessentwillen der hohe Offizier nach Ägypten gereist ist. Sein Warnungsbrief (השמר sei auf der Hut) soll an das ganze Volk gerichtet sein und soll, wie es in Brief VI heißt, ״die Hände der Verteidiger lässig gemacht haben44 (was man wörtlich auch dem Defaitisten Jeremia zum Vorwurf macht, 38, 4). Wie weit diese kriegsfeindliche Stimmung um sich gegriffen haben muß, beweist die Tatsache, daß auch ein naher Verwandter des Königs an der Propaganda teilnimmt, und die Rolle des Kommandanten Jarusch ist keineswegs eindeutig. Das alles erinnert an die Erzählung in Jeremia 26, 20 ff. von dem Propheten Urijahu b. Schemajahu aus Kirjat Jearim, der ganz ähnlich wie Jeremia gegen die amtliche Kriegspolitik protestiert hatte, nach Ägypten geflohen, von dort im Auftrag des Königs Jojakim durch Elnatan b. Achbor zurückgeholt und in Jerusalem vom König zum Tode verurteilt worden war. Alle Angaben unserer Briefe scheinen auf diesen Vorgang bezogen werden zu müssen; seine Figur stehe hinter der gesamten in Lachisch gefundenen Korrespondenz; denn die vielfachen Wiederholungen in den Briefen, Hoschajahus häufige Versicherungen seiner Unschuld — alles drehe sich um den gleichen Inhalt. Kirjat Jearim, Uri jahus Heimat, halbwegs zwischen Lachisch und Jerusalem gelegen, sei Hoschajahus Station gewesen, dort habe man sein Schicksal gekannt und besprochen, sogar einige Buchstaben seines Namens seien im Brief XVI zu lesen. Die Briefe seien auch nicht durch Zufall an ihren jetzigen Platz gekommen, sondern von Ja'usch in einem Prozeßgegen Hoschajahu als Anklagematerial an ״das Tor44, die Stätte des Gerichts, gebracht worden. Torczyner ist sehr ernst darum bemüht, seine Auslegung zu stützen, und er glaubt auch, über alle entgegenstehenden Schwierigkeiten hinwegzukommen. Die größten Bedenken bleiben von der historischen Seite her. Auch er weiß keine Lösung des Rätsels, warum Urijahu gerade nach Ägypten geflohen war, wenn er in gleichem Geiste wie Jirnvejahu, d. h. gegen den Krieg mit Babylon, geredet hatte. Ganz unmöglich ist es, die Angabe des Buches Jeremia über die Hinrichtung dieses Propheten am An״ fang der Regierung Jojakims mit der Situation unserer Briefe, die in die letzte Zeit von Zidkijahu zu gehören scheinen, in Einklang zu bringen. Tatsächlich gelingt die Identifizierung auch nur durch die Annahme einer Ungenauigkeit in der Überlieferung. Eine andere sichere Lesung und Deutung kann bisher niemand entgegenstellen. Wir müssen darauf warten, daß, so überraschend wie diese Funde, vielleicht auch einmal die richtige Auslegung ans Licht kommt.

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