Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Funde von Lachisch [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 199 gehörte, eine Masse beschrifteter Tonscherben. Die Schichten von Asche und Holzkohle, unter denen sie liegen, weisen auf Zerstörung durch die Babylonier hin, die Stadt ist diesen kurz hintereinander zweimal zum Opfer gefallen; hier scheinen die Folgen der zweiten Zerstörung (588—87) vorzu* liegen. Die Tonscherben wurden auf die sorgfältigste Weise gereinigt, mit den besten verfügbaren chemischen und physikalischen Mitteln behandelt und schließlich zur Entzifferung gebracht. Diese ergab, daß gewisse Bruch* stücke zusammengehörten und ein Ganzes bildeten. &. 184 enthält ein ge* naues Verzeichnis der Größe, Art und Beschaffenheit der als ״Lachisch* Briefe'4 bezeichneten 18 Tonscherben. Bei 5 von ihnen konnte festgestellt werden, daß sie ein und1 demselben Henkeltopf entnommen sind, und eine Abbildung2 zeigt, wie man diesen rekonstruieren kann. Jeder Text ist in einer Photographie des Originals und der doppelten Nachzeichnung der Beschriftung von Lankester Harding, dem wir auch die beigegebene, aus* gezeichnete Schrifttafel3 verdanken, sowie in der Umschrift und Übersetzung von Torczyner gedruckt. Der Forscher ist daher in der Lage, die vor* gelegten Ergebnisse nachzuprüfen, tut aber gut, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, ehe er nicht Original und Abschrift hat vergleichen können. Die Geschichte der Entzifferung zeigt, wieviele Schwierigkeiten zu überwinden waren, und über die Lesung einiger wenigen Zeichen sind die verschiedenen Mitarbeiter bis heute noch nicht einig (vgl. S. 187). Alle Tonscherben, sind mit althebräischen Zeichen beschrieben, sie ent« halten das gesamte Alphabet. Nicht alle zeigen dieselben Schriftzüge, nicht weniger als 6 verschiedene Handschriften sind wahrzunehmen — ein Zeichen für die Verbreitung der Schrift in jener Zeit. Die Zeichen ähneln denen der Ostraka von Samaria, die freilich einige Jahrhunderte älter sind. Ein großer Teil der Scherben konnte nicht entziffert werden; das größte Stück, Brief 15, gab nur einige wenige Buchstaben her; andere Stücke bedürfen mehr oder weniger der Ergänzung. Der Weg der Entzifferung der Texte war daher überaus mühsam; Torczyner legt ihn bas ins einzelnste sorgfältig dar und berücksichtigt auch einen großen Teil der ihm von der Kritik be* reits gemachten Einwände. Von größter Wichtigkeit ist es, daß die archäo* logische Untersuchung der Keramik und die unabhängig davon vorgenom* mene Entzifferung der Briefe zu dem gleichen chronologischen Ergebnis führen, nämlich zu der Annahme, daß die Briefe aus dem Anfang des 6. vorchristlichen Jahrhunderts, d. h. aus der Zeit kurz vor der Vernichtung des Reiches Juda durch die Babylonier stammen, aus den Tagen eben, wo man die Feuerzeichen von Aseka nicht mehr sehen konnte und Lachischs Schicksal ebenfalls besiegelt war,. Die Funde sind außerordentlich aufschlußreich für die Art der ver* 2 S. 220. 3 Hinter S. 220. Sie vergleicht die sechs verschiedenen Schriftzüge der Lachisch*Briefe mit den bei anderen Ausgrabungen in Palästina gefundenen sowie mit den Hasmonäermünzen und der heutigen samaritanischen Schrift.