Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 3 · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 3
Article
Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
Date
1938-01-01
Page
Seite 172 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830035-2841202--55298-2841258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

172 Isaak Heinemann Epikur billigte den Anthropomorphismus; dessen Verwerfung, nach Hekataios und Poseidonios (s. o.) ein Ruhmestitel der Juden, konnte einem Epikureer nur als Mangel gelten. Andererseits übte Epikur scharfe Kritik an allem, was ihm in den geschichtlichen Religionen inhuman erscheinen konnte; als Befreier von allem religiösen Irrglauben (SsiaiSaijiovi'a) preist ihn Lucrez zu Beginn seiner Darstellung seines Systems und fügt im Anschluß an die Geschichte von der Opferung der Iphigenie hinzu: tantum religio potuit suadere malorum. Endlieh fiel der überhebliche Ton auf, den die Epikureer bei der Behandlung aller weltanschaulichen Fragen mit besonderem Einschluß der religiösen anzuschlagen pflegten58 — derselbe, den auch Daniel an Epiphanes rügt. Wie aber erklärt es sich endlich, daß ein Glaubenszwang von solcher Härte im Altertum nicht wiederholt wurde? Nun, wir sahen ja, die Wiedereinführung der Verfügungen des Epiphanes wurde später erwogen, aber — abgelehnt. Sidetes, so meint unser Berichterstatter, war dazu zu ״hochherzig und sanftmütig“. Das mag sein. Aber er hatte überdies den Mißerfolg des Epiphanes vor Augen; und es fragt sich durchaus, ob dieser selbst seine Politik eingeleitet hätte, wenn er den leidenschaftlichen Widerstand eines erheblichen Teiles der Judenschaft hätte voraussehen können. Wenn dem aber so ist, dann tragen allerdings die jüdischen Hellenisten an dem Glaubenszwang eine gewisse Mitschuld, wenn auch in anderem Sinn, als Bi. meint. Sie haben die völlige Ausmerzung des Judentums, die Antioehos nach Möglichkeit durchzuführen versuchte, nicht veranlaßt und in ihrer großen Mehrheit schwerlich gewollt; aber ernstlichen Widerstand brauchte der König von ihrer Seite allerdings nicht zu befürchten. Und es war das Unglück des Judentums, daß Antioehos seine innere Kraft nach Männern bemaß, die ihm vertraut waren, mit den Überlieferungen ihrer jüdischen Gemeinschaft aber nur noch in sehr loser Verbindung standen. 58 Ciceros Epikureer spricht über die Gottesfrage fidenter sane, u t solent isti, nihil tarn verens, quam ne dubitare aliqua de re videretur: Nat. d. I 18. Doch s. o. Anm. 43.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.