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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 6 · p. Seite 512

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1937-01-01
Page
Seite 512 (sequence 2)
Language
German
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612 Besprechungen neueste Zeit zum Gegenstand der Schilderung hat. Wertvolle Anmerkungen, Index und volle Bibliographie beschließen das Werk, welches auch mit inter« essanten Blustrationen geschmückt ist. S. 86 wird erwähnt, daß R. Jom«Tob Lipman Heller das Lesen der Zehn Lehren des Ascheri vor dem Morgen gebete verfügte. Hier wäre ein näherer Hinweis auf das entsprechende Werk Ascheris notwendig. Wahr« scheinlich ist hier das dem Ascheri zugeschriebene moralistische Werk ארחות חיים gemeint (s. Ben Jacob אוצר הספרים S. 50, Nr. 983). Zur Ge« schichte des Rabbinats ist von besonderem Interesse die S. 96 angeführte Stelle aus Wagenseil, die über den Tiefstand talmudischer Gelehrsamkeit unter den italienischen, portugiesischen und! deutschen Juden klagt. Nach Wagenseil gäbe es Rabbiner in Amt und Würden, die niemals in ihrem Leben einen Talmud«Traktat zu Ende gelernt hätten. Stimmen diese Worte Wagenseils? Wir besitzen kein umfassendes Werk über die Geschichte des Rabbinats, das diese Angabe bestätigen oder verwerfen könnte. Ich will hier aus dem reichlich zur Verfügung stehenden Material nur eine Stimme eines Moralisten, der 1590 schrieb1, hervorheben. Er sagt: בהיות רבים מעמי האר<מתיהרים בדרא מי שיודע לקרות מקרא, ולעיין בשולחן ערוך קצת שורה, יחזיק עצמו לרב ומורה. מרוד. גם הוא יורה, או סכל יסכל או יורה מרה, ולאה למצוא פתח שורת הדין ומקורה — לא ידע איזה דרך ישכון אורה• Dieser Moralist ist nicht der einzige Zeuge, der die Unfähigkeit ge« wisser Rabbiner in so drastischer Weise schildert. Es ist jedenfalls bezeich« nend, daß beide Schriftsteller die Unkenntnis des Talmuds seitens der Rabbiner beklagen. S. 98 gibt recht interessante Einzelheiten über den Einfluß des Wiener Rabbiners Sabbatai Horovitz auf die Gemeinde. Er wünscht 1. die Über« Setzung der Gebete für Frauen und Unwissende, (die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind). 2. die Verwendung eines Zehntels des Einkommens für religiöse oder wohltätige Zwecke. Der Einfluß dieser Gedanken wurde in allen deutschen Gauen fühlbar. Der deutsche Moralist, der im Jahre 1764 sein Schriftchen אמונת ישראל in Amsterdam veröffentlichte, Gedalja Teiks (טייקם) b. Abraham Mordechai, empfiehlt darin seinen Lesern oder Zu« hörern, die des Hebräischen unkundig waren, aufs wärmste die Lektüre der Gebete, der heil. Schrift und anderer Erbauungsbücher in jüdisch«deutscher Sprache. Er folgt darin besonders dem Verfasser des Schriftchens סם חיים oder מציאת עזרי (Prag 1690), über dessen Verfasser mehr Klarheit erwünscht wäre2. Über die Verbreitung der Verordnung, ein Zehntel des Einkommens <מעשר) für wohltätige Zwecke zu verwenden vgl. die Responsen des R. 1 v. ספר תלמוד צחקן מוסר mit jüd.«deutscher Übersetzung erschienen 1798; ursprünglich hieß die Schrift יסור מרע 2 Daß im 16./17. Jahrhundert die jüdisch«deutsche Literatur einen ge« waltigen Aufschwung erlebte und der Verbreitung der Kultur den Weg geebnet hat, betont namentlich J. Eschelbacher in der Festschrift für M. Philippson.

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